Köln - Realistische Projekte /Rekos zur Verschönerung der Innenstadt

  • Hallo zusammen


    Ich bin hier in diesem kleinen, aber feinem Forum, wo mit Zeno und Ursus das Herz und die Seele des "alten" APH vertreten sind, eher nur als Leser mit dabei. Gestern habe ich mir noch einmal "Wissen.de" riesige Köln-Galerie angeschaut und mich gefragt, was es in dieser Stadt noch zu retten gibt. Hängen blieb mir Zenos Aussage, wo man denn überhaupt anfangen könne realistische Stadtreparatur zu betreiben. Es wäre schön wenn wir hier ein paar Ideen und Denkanstösse zusammentragen könnten. Mir fiel folgendes ein:


    - Rekonstruktion der Hohenzollernbrücke (Brückentürme)


    - Rekonstruktion des Alter Markt


    - Verbliebene Altbauten in der Schildergasse und Hohe Straße in ursprünglichen Zustand versetzen


    - Vollständige Reko des Rathauses


    - Abriss von Nachkriegsbauten in mehrheitlich geschlossenen gründerzeitlichen Straßenzügen, Gründerzeitbauten wie in Leipzig jeweils nach Originalzustand rekonstruieren.


    Von außen betrachtet ein relativ realistisches Vorhaben aber in Köln wahrscheinlich nahezu unmöglich, denke ich.

  • In Köln tut sich der Reko-Gedanke mE sehr schwer. Hier wird einem ja nicht gleich das Gesicht zerkratzt, wenn man konstatiert, das Köln "nur" historistisch war...

    Darauf läuft die Problematik aber hinaus. Ich denke, man sollte sein Potential nicht mit Historismusprojekten verschwenden, die sind ziemlich aufwändig und bringen nicht viel, was sowohl Ansehen der Rekobewegung als auch erzielten Erfolg betrifft. Natürlich gäbe es Ausnahmen, um das klarzustellen.

    Aber schau dir an was du da vorschlägst:

    die HZ-Brücke ist doch als pompöse Konkurrenz zum Dom und zur grandiosen Rheinfront höchst fragwürdig, und eine Reko als doppelte Retro, doppelt kitschverdächtig, wäre ev. sogar mir zuviel.

    Was Punkt 2 betrifft, soweiß ich über den Alten Markt zu wenig. Darüber könnte man natürlich sehr wohl nachdenken, wobei die Ostseite heúte gar nicht so schlecht erscheint.Der Wohnraumverlust wäre angesichts der geringen Traufhöhe des Vorbestandes wohl auch enorm, dazu waren die alten Fassaden im einzelnen kaum besonders bedeutend. Es scheint, dass die bedeutendste Fassade stehengeblieben ist...


    Ähnliches Foto


    Es tut mir leid, aber Köln sehe ich nur als moderne Stadt mit alten Zitaten und altem Grundriss, und ein Entwicklungspotential nur in qualitätsvoller moderner Architektur. hier hätte sie ein Feld. Soll sie sich dort austoben. Aber ordentlich.

  • in diesem kleinen, aber feinem Forum, wo mit Zeno und Ursus das Herz und die Seele des "alten" APH vertreten sind

    Also wenn das nicht ein Kompliment höchster Ordnung ist, dann weiß ich auch nicht, was dann eines sein soll. Zunächst mal sage ich natürlich ein großzügiges Danke. Und freue mich, dass Ursus' und meine Beiträge im alten Forum bei Dir offenbar einen guten Eindruck hinterlassen haben. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass auch diverse andere einstige APH-Forumer hier wieder anzutreffen sind, deren Beiträge sicherlich nicht weniger wertvoll waren.


    Deine Worte aber zeigen mir, dass meine Beiträge doch von dem einen oder anderen geschätzt wurden und nicht bloß an die Wand geredet waren. Sie sind mir damit ein Anlass, mich weiterhin, nun freilich hier, zu beteiligen.



    Zu Köln kann ich nicht viel beitragen, weil ich es einfach nicht kenne.


  • Was Punkt 2 betrifft, soweiß ich über den Alten Markt zu wenig. Darüber könnte man natürlich sehr wohl nachdenken, wobei die Ostseite heúte gar nicht so schlecht erscheint. Der Wohnraumverlust wäre angesichts der geringen Traufhöhe des Vorbestandes wohl auch enorm, dazu waren die alten Fassaden im einzelnen kaum besonders bedeutend. Es scheint, dass die bedeutendste Fassade stehengeblieben ist...


    Da gehe ich d'accord mit dir, Ursus. Das Bild zeigt mehrheitlich Bauten mit denen man leben kann. Die beiden bedeutendsten Bürgerhäuser "Zum Bretzel & Zum Dorn" wurden rekonstruiert. Aus den abgebildeten Nachkriegsbauten könnte man mit wenigen Eingriffen (Sprossenfenster etc.) noch gefälligere Bauten herrichten. Was ich als ganz schlimm empfinde ist der linke Bau vor dem Rathaus, wenn man bedenkt was für ein wunderschönes Gebäude dort früher stand (ein 1a Reko-Kandidat):


    1024px-Alter_Markt%2C_K%C3%B6ln-7847.jpg[/url][url=https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alter_Markt,_K%C3%B6ln-7847.jpg]Alter Markt, Köln-7847[/url]© Raimond Spekking /


    kln182ecb4.jpg


    Es tut mir leid, aber Köln sehe ich nur als moderne Stadt mit alten Zitaten und altem Grundriss, und ein Entwicklungspotential nur in qualitätsvoller moderner Architektur. hier hätte sie ein Feld. Soll sie sich dort austoben. Aber ordentlich.

    Interessanter Gedanke (v.a. auch sehr aktuell, da bald das "MiQua" auf dem Rathausplatz verwirklicht wird), aber wie siehst du den zukünftigen Umgang mit erhaltenen, verstümmelten Altbauten (v.a. die gründerzeitlichen) und dem Rathaus? Sollten die nicht wieder ihres altes Erscheinungsbild erhalten?

  • Zitat

    Die beiden bedeutendsten Bürgerhäuser "Zum Bretzel & Zum Dorn" wurden rekonstruiert.

    zu viel der Ehre- die Fassade ist stehengeblieben. In der BRD wurden grundsätztlich keine Bürgerhäuser rekonstruiert.


    Ähnliches Foto



    auch nicht das da:


    Ähnliches Foto


    wobei dieses Bild den zustand 43 zeigt - das war den Zerstörern noch nicht genug, wie man an St. Martin sieht.


    alte Geschäftshäuser auf der Ostseite des Alter Markt, Alter Markt 54-64, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1920)


    "wie siehst du den zukünftigen Umgang mit erhaltenen, verstümmelten Altbauten (v.a. die gründerzeitlichen) und dem Rathaus? Sollten die nicht wieder ihres altes Erscheinungsbild erhalten?"


    Von mir aus allzu gerne. Aber das ist nicht realistisch. Historismusschinken wie jener vor dem Rathaus werden noch weniger als ma. Bürgerhäuser rekonstruiert.


    Hier kann man solche Dinge ja sagen: Um das zu bewerkstelligen, braucht man einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, der sich nicht nur auf die Architektur beschränken kann. Das kapieren die Schönhei-affinen linken Gutdeppen im APH-Forum nicht, nämlich dass sie eine Anomalie darstellen und daher viel zu wenige sind, um etwas zu bewirken. Die heute propagierte oder zumindest erwünschte Gesellschaft hat sich in dem von den Bombern hinterlassenen Saustall wohlzufühlen. Eine Bevölkerung, die Schönheit und damit ihr Erbe liebt, ist unerwünscht, sie wird daher bekämpft bis zum großen Austausch. Was in DD möglich war (aufgrund des, mal andersrum, zivilgesellschaftlichen Engagements) war in FF ein wohl kurioser Betriebsunfall, deren Verursacher mundtot gemacht werden sollen. Wir haben gesehen, wer da im Altforum dies propagierte...

    Aber in K ist dies undenkbar. Der Aufwand, dies zu probieren, würde sich wohl kaum lohnen...

  • Ja, das war spät, dann folgte schon die Waage in Braunschweig und der Hildesheimer Markt. Ein Zwischenhoch, ein paar löbliche Ausnahmen. Aber abgesehen von den sog Greisinghäusern findest du in Bayern und Franken nichts. Diverse Altbauten in Wü bezieht sich nicht auf Bürgerhäuser.

    Auch die Steipe in Trier wäre zu nennen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

  • Für Köln bin ich auch ziemlich pessimistisch, was "Stadtverschönerung" angeht, weil halt auch der "Vorzustand" (sagen wir mal 1880-1930) nicht so sonderlich berauschend war.


    Ja, aber das kann ja kein Grund sein zu resignieren oder den unsäglichen Status quo beizubehalten. Aber dafür muss zuerst bei Stadtplanern und der Öffentlichkeit ein Sinneswandel stattfinden, damit die Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Stadtbild aufhört. Das wird mit der Kölner Mentalität schon schwer genug ("Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet")