südböhm. Bauernbarock ua Volksarchitektur in Ostmitteleuropa

  • ein gewissser Jan Lichner führte den spätmittelalterlichen Städtebau in Sp. Sobota(Georgenberg) implizit auf slowakische Volkskunst zurück´, was ein offensichtlicher Blödsinn ist.

    Dies hat mich zu folgender Galerie inspiriert, die aufzeigt, dass es sich in Wahrheit umgekehrt verhält, dh das die Volkskunst vom Städtebau inspiriert wurde.


    wir beginnen mit einem Phänomen, das gemeinhin als südböhm. Bauernbarock genannt wurde (jc. selské baroko).

    Schon im Kommunismus war man in der CR stolz auf dieses Phänomen "echter nationaler Kunst", wobei man ohne weiteres zugab, dass es sich um eine Art ländliches Derivat aus der südböhm. Stadtbaukunst handelte.


    Hier eines der berühmtesten Gebäude, ein Bauerngehöft in Komárov Kr. Tábor.


    Bildergebnis für obec komárov jižní čechy



    noch einmal:


    1280px-Kom%C3%A1rov_-_%C4%8Dp._28.JPG



    interessant, dass der Speicher üppiger als das Wohngebäude ausfällt.


    Luftbild des Dorfes, das, wie das tsch. Wiki vermeldet, deutsch Komarau hieß.


    1280px-Kaple_n%C3%A1vesn%C3%AD_%28Kom%C3%A1rov%29%2C_Kom%C3%A1rov.JPG


    Autor: Kralpilot – Vlastní dílo, CC BY-SA 3.0, File:Kaple návesní (Komárov), Komárov.JPG - Wikimedia Commons


    Zweifellos vom selben Künstler stammend:



    1280px-Kom%C3%A1rov_-_%C4%8Dp._8.JPG


    und ein weiteres:


    Bildergebnis für obec komárov jižní čechy



    Bildergebnis für obec komárov jižní čechy



    Weiteres Denkmaldorf:


    Záluží (früher Záluží u Vlastiboře, deutsch Salusch bei Wlastiborsch)


    1280px-Zaluzi_okres_Tabor_3.jpg


    Autor: I, Slimejs, CC BY 2.5, File:Zaluzi okres Tabor 3.jpg - Wikimedia Commons



    Dorfschmiede:


    1280px-Zaluzi_okres_Tabor_1.jpg



    aufwändige Fassade mit Plastikfenstern, wie das tsch. Wikipedia vermerkt:


    1280px-Zaluzi_okres_Tabor_2.jpg



    Dorfplatz miot Kapelle:


    1280px-Zaluzi_okres_Tabor_5.jpg


    1280px-Z%C3%A1lu%C5%BE%C3%AD_-_selsk%C3%A9_baroko_vrata.JPG



    1280px-Z%C3%A1lu%C5%BE%C3%AD_-_selsk%C3%A9_baroko.JPG


    Vlastiboř (deutsch - nojo - Wlastiborsch)


    800px-Vlastibo%C5%99_-_kaple.jpg



    Von Jitka Erbenová (cheva) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, File:Vlastiboř - kaple.jpg - Wikimedia Commons


    1280px-Vlastibo%C5%99_-_staven%C3%AD_datovan%C3%A9_1855.jpg


    ditto


    Ähnliches Foto


    Fenster nojo:


    1280px-Vlastibo%C5%99_%C4%8Cp._39.JPG


    Autor: WildWest-CZ – Vlastní dílo, CC BY-SA 3.0, File:Vlastiboř Čp. 39.JPG - Wikimedia Commons


    Prachtexemplar von einem Speicher:

    1280px-Vlastibo%C5%99_%C4%8Cp._34.JPG



    1280px-Vlastibo%C5%99_Kaple_na_n%C3%A1vsi.JPG

  • Zur Orientierung: Bauernbarock ist ein weiter Begriff, auch geographisch.

    wir haben bislang, und an dieser Stelle wollen wir vorläufig innehalten, nur das sogenannte Moorland "Soběslavská blata" abgehandelt.

    Das Moor selbst ist bis auf geringe Reste zerstört worden und wird heute in erster Linie wegen der Volksarchitektur genannt:

    Nejkrásnější selské baroko - Soběslavská Blata | Jižní Čechy

    Es ist ein kleines, überschaubares Gebiet nordwestlich der Stadt Veselí n. L. in Richtung Tabor/Bechin.

    Es gibt noch andere Bauernbarockgebiete mit berühmteren Beispielen, aber dieses ist recht kompakt.


    Kein Narr käme auf die Idee, die Bürgerhäuser der umliegenden Städte auf "Volkskunst" zurückzuführen.


    Sobieslau, Ring, Smrcka-Haus, heute Blata- Museum.


    Ähnliches Foto



    Sobieslau, Ring:


    Ähnliches Foto



    wenngleich es in Bechin zu gewissen Verschmelzungen kommt:


    Ähnliches Foto


    Bildergebnis für bechyne


    überhaupt in der Vorstadt:


    File:Bechyně, Zářečí, domy pod zatáčkou a zámek.jpg


    anders als Sobieslau besitzt Bechin ein sehr harmonisches Platzbild:



    Bechyn%C4%9B%2C_n%C3%A1m%C4%9Bst%C3%AD_T._G._Masaryka%2C_od_T%C3%A1borsk%C3%A9.jpg



    Ähnliches Foto



    die Synthese oder Mischung aus Dorf und Stadt fällt hier äußerst glücklich aus:


    Bildergebnis für bechyne



    hier sind die Vorbilder für die Dörfer klar erkennbar:


    Bildergebnis für bechyne



    dieser phantastische Hof in Bechin ist wohl "echtes" Barock:


    Ähnliches Foto



    Ähnliches Foto


    Ähnlichkeiten nicht zu übersehen...


    Bildergebnis für bechyne

  • In diesem Zusammenhang darf natürlich die alte Hussitenstadt Tabor nicht unerwähnt bleiben:


    Bildergebnis für tabor


    vor allem in der Pragerstraße findet sich geeignetes Anschauungsmaterial:


    Bildergebnis für tabor Prazska



    Bildergebnis für tabor Prazska


    Ähnliches Foto



    Ähnliches Foto


    Ähnliches Foto


    und vor allem das:


    Bildergebnis für tabor Prazska 210





    Aber auch am Ring:



    Bildergebnis für tabor Prazska


    auch Wittingau ist nicht weit:


    Bildergebnis für Trebon



    Bildergebnis für Trebon


    Bildergebnis für Trebon


    Bildergebnis für Trebon rozmberska


    und dann natürlich das Haus zum Weißen Rössl:


    Bildergebnis für Trebon rozmberska

  • "Bauerngotik" wäre eher im sakralen Bereich zu suchen.

    ansonsten gibt es natürlich noch viele Bauernstile, von denen zu berichten sein wird.


    Das österr. Waldviertel, um einen kurzen Exkurs zu starten, etwa kennt ebensolche Ansätze, nur sind sie nicht so gehäuft, bzw stehen die schönen Dörfer unter keinerlei Schutz und verschwinden sukzessive.

    Die Eder- oder Marktmühle in oder bei Neupölla ist älter, nämlich echte Renaissance, tatsächlich um 1600!


    Datei:Edermühle, former Marktmühle, Neupölla.jpg

    Drosendorf hingegen bietet Anschauungsmaterial. Allerdings fällt es eher unter die Rubrik "Bechin", da es sich um eine veritable Stadt handelt:


    Bildergebnis für Drosendorf


    Der hohe Giebel ist von nach 1900.


    Hier ein klassisches Motiv:


    Bildergebnis für Drosendorf


    auch hier:


    Bildergebnis für Drosendorf


    Das sog. Hamerlinghaus in Kirchberg am Walde fällt unter die Rubrik eines allzu artifiziellen bzw eklektizistischen Bauens, wenngleich es natürlich von Provinziliatät geprägt ist und auch sein will - schließlich wurde damit ein Provinzdichter geehrt:


    Bildergebnis für Eibenstein Mühle



    natürlich könnte man auch Hadersdorf/Kamp erwähnen:


    Bildergebnis für Hadersdorf kamp hauptplatz


    Bildergebnis für Hadersdorf kamp hauptplatz


    ... aber richtig überzeugen tut das nicht, nämlich im gegebenen Zusammenhang.

    Es gibt oberflächliche Ähnlichkeiten, mehr nicht.


    eher wären die Kellergassen ein vergleichbares Unikum. vor allem die Straniger, die einstöckig ausgefallen ist:


    Bildergebnis für straning kellergasse



    oder falkenstein:


    Bildergebnis für straning kellergasse

  • "Bauernrenaissance" - ein kleiner Exkurs



    Bildergebnis für Neupölla edermühle



    Die Neupöllaer Mühle ist mE schon sehr interessant und lässt auf eine viel weitläufigere Verbreitung eines gewissen Renaissancestiles schließen, den wir heute eher mit den böhm. Ländern in Verbindung bringen.

    Von irgendwoher musste der Neupöllaer Landwirt ja diese Formen haben. Andersrum wären wir dann so ungefähr wirklich bei Jan Lichner.

    natürlich ist das hier naheliegend, eher im übertragenen als im geographischen Sinne (wenngleich andererseits auch nicht ganz aus der Welt...):


    Bildergebnis für Zlabings


    Langenlois:


    Ähnliches Foto


    dieses Gebäude ist nicht nur sehr schön, sondern es trägt auch einen sehr schönen Namen:

    Ursin-Haus.


    auf das Hadersdorfer Rathaus ham wir schon verwiesen:


    Bildergebnis für Hadersdorf Kamp


    Rathaus in Falkenstein:


    Bildergebnis für Falkenstein NÖ Rathaus



    Vorbilder gäbe es allerdings.

    Nur: sie sind alle nicht gerade in nächster Nähe, und entstammen einem Milieu, das selbst eindeutig bäuerlich geprägt ist. Von den genannten Orten hat überhaupt nur Zlabings ein altes Stadtrecht, allerdings ist es nie über eine Kleinststadt in völlig abgelegenem Gebiet hinausgekommen.


    Eggenburg könnte man ev. noch heranziehen:


    2acbf18a24c4472c_7915b2faefdf135d.jpg


    Hingegen gibt es in wirklichen Städten mit bis heute nennenswertem Renaissancebestand wie Krems und Stein kaum Beispiele.

    die Renaissance ist nicht giebellastig, sondern orientiert sich an ital. Formen, aus denen sich der sog Inn-Salzachstil ableitet.


    Ganz schlau sind wir also nicht geworden - es scheint vielmehr, dass wir hier wirklich so etwas wie eine Ausformung eines regionalen volkstümlichen Stils gefunden haben.

  • Wem ein entfernteres Beispiel zu Neupölla einfällt, ist herzlich zu dessen Präsentation eingeladen.


    Südböhm. Bauernbarock, Teil 2 widmet sich einem Dorf:


    Holašovice (deutsch Hollschowitz, früher auch Holschowitz) ist ein Ortsteil der Gemeinde Jankov in Tschechien. Das aus Höfen im südböhmischen Bauernbarock bestehende Dorf befindet sich 15 Kilometer westlich von Budweis im Bezirk Budweis und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.



    Ähnliches Foto



    Ähnliches Foto


    Bildergebnis für verkaufte Braut holasovice



    Ähnliches Foto


    Ähnliches Foto


    Ähnliches Foto



    Bildergebnis für verkaufte Braut holasovice






    Ähnliches Foto


    wer muss da nicht an das hier denken:


    Bildergebnis für telc

  • Bildergebnis für holasovice




    Hola%C5%A1ovice07.jpg

    In Holašovice blieb die ursprüngliche Ortsstruktur seit seiner Gründung erhalten. Die Parzellen um den Dorfplatz mit den 17 anliegenden Gehöften und einem Fischteich entsprechen dem Grundriss aus der Zeit der Gründung. Die im bäuerlichen Barockstil erbauten Gebäude stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, hauptsächlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die dem heiligen Johannes Nepomuk geweihte Kapelle im Zentrum des Dorfes wurde 1755 erbaut. Das Steinkreuz am Dorfplatz wurde 1935 errichtet.


    Bildergebnis für holasovice



    Der Ort wurde mit regelmäßigem Grundriss um einen außergewöhnlich großen rechteckigen Dorfplatz angelegt, der mit seinen Abmessungen von 210 × 70 Meter der Größe der Marktplätze von Stadtgründungen aus jener Zeit entspricht.


    Ähnliches Foto


    Beide Bilder zeigen die Einbettung zwischen Böhmerwald und Budweiser Becken samt Teichlandschaft.

    Aber die Idylle trügt.

    Ähnliches Foto


    Ähnliches Foto


    Bildergebnis für verkaufte Braut holasovice



    Anders als die bisherigen Beispiele gehörte Hollschowitz zum dt. Siedlungsgebiet und war somit Vertreibungsgebiet.

    Das hinderte die Tschechen nicht daran, das Dorf als Kulisse zu ihrer Nationaloper zu wählen:


    Durch die Dreharbeiten zum Film Prodaná nevěsta (Die verkaufte Braut) gelangte das im Gegensatz zu den Nachbardörfern Dobčice, Lipanovice und Záboří dem Verfall preisgegebene Dorf Holašovice mit seinen einmaligen historischen Höfen 1972 erstmals in den Blick der Öffentlichkeit. Nach 1990 wurde die wertvolle Bausubstanz aufwändig restauriert, so dass die Gehöfte nunmehr wieder bewohnt sind. Wiederaufgebaut wurde die alte Dorfschmiede.


    Bildergebnis für verkaufte Braut holasovice


    1991 hatte der Ort 130 Einwohner. 1998 wurde Holašovice als Weltkulturerbe in die UNESCO-Denkmalliste aufgenommen. Im Jahre 2001 bestand das Dorf aus 60 Häusern, in denen 136 Menschen lebten.


    Holašovice (Hollschowitz) - Vorstellung - Tschechisches UNESCO-Erbe


    Eher negativer Artikel:


    Dörfliches Leben (nur) für Touristen: Holašovice, das frühere Hollschowitz – Auf dem Weg


    Ähnlich verhält es sich mit dem Dorf Záboří (deutsch Sabor, früher auch Saborsch bzw. Saborz)


    1280px-Z%C3%A1bo%C5%99%C3%AD-motiva%C4%8Dn%C3%AD.jpgVon Mgr. Zdeněk Kubeš - Eigenes Werk, CC BY 3.0, File:Záboří-motivační.jpg - Wikimedia Commons


    Ähnliches Foto


    Ähnliches Foto



    zabori-228998.jpg


    Bildergebnis für Lipanovice


    Lipanovice (něm. Linden)


    Bildergebnis für Lipanovice


    offenbar der gleicher Maurermeister wie in Sabor am Werk:


    Bildergebnis für Lipanovice

  • Entgegen seinem Namen gehört Němčice (deutsch Niemtschitz) zum traditionell tschech. Siedlungsgebiet.

    Vielleicht durfte es auch deshalb nach 1945 seinen anrüchigen Namen gehalten.


    Bildergebnis für Němčice u Netolic


    Obiges Bild erinnert stark an Nordost-Niederösterreich, indes gibt es auch anderes:



    Bildergebnis für Němčice u Netolic


    auch in Olschowitz:


    Bildergebnis für Němčice u Netolic


    finden sich Volksbauten.


    Aber wir können nicht alle Beispiele anführen. Was die einzelnen Ausformungen der Gebäude betrifft, haben wir gelernt, dass sie keinen Rückschluss auf die Ethnie ihrer Erbauer zulassen (beim Dorfbild oder Dorfgrundriss als Ganzen kann das ev. nicht gesagt sein).

    Mittlerweile befinden wir uns wieder in traditionell tschech. Gebiet. und da wir in der Nähe einer Stadt sind, zögern wir nicht, diese zu besuchen.

    Die Rede ist von Nettolitz.


    Bildergebnis für netolice


    Obrázek proměny místa

    1280px-Netolice_2009.JPG


    Bildergebnis für netolice


    063.jpg


    Ähnliches Foto


    Wenn man bedenkt, wie herrlich ruhig und verschlafen diese Orte in komm. Zeit waren, kann man wehmütig werden. Vom alten Kalkputz mal ganz abgesehen...


    Bildergebnis für netolice



    Ähnliches Foto


    Aber natürlich werden wir auch hier fündig:


    Soubor:Netolice, dům čp.245.jpg

  • wir wechseln in eine andere Mirkoregion, weiter nach Westen.


    Bildergebnis für bauernbarock bursa


    Ein sehr spezifischer Typ der Bauten im Stil des Bauernbarocks, der vorwiegend dank der an der Stirnseite geschriebenen Texte berühmt wurde, befindet sich in der PrachatitzerRegion. Deren Autor war meistens Jakub Bursa, der gleichzeitig der einzige urkundlich belegte Maurermeister der Volksarchitektur war. Seine Werke sind auch in Dolní Nakvasovice, Bušanovice, Předslavice, Litochovice, Čepřovice, Jiřetice, Radhostice, Kovanín und Tvrzice zu bewundern.


    Bildergebnis für bauernbarock bursa


    Ähnliches Foto


    Bildergebnis für bauernbarock bursa


    da ich diese Gegend nicht so kenne, muss ich mich selbst noch ein wenig damit auseinandersetzen.

  • Buschanowitz:


    1280px-Busanovice27.JPG


    Autor: Mpik61 – Vlastní dílo, CC BY-SA 3.0, File:Busanovice13stit.JPG - Wikimedia Commons1280px-Busanovice13stit.JPG


    Autor: Mpik61 – Vlastní dílo, CC BY-SA 3.0, File:Busanovice13stit.JPG - Wikimedia Commons


    Im heute eingemeindeten dolnì Nakvasovise wurde 1813 Jakub Bursa geboren, Volkskünstler, Maurer und Baumeister. Seine Gehöfte zählen zu den schönsten des Bauernbarock.


    Bildergebnis für dolni nakvasovice


    Bildergebnis für dolni nakvasovice


    Ähnliches Foto


    diese Dörfer scheinen an sich eher unscheinbar:


    File:Horní Nakvasovice, kaplička.jpg

    (Horní Nakvasovice)


    Liebotein:


    Bildergebnis für dolni nakvasovice

  • Also ein Regionalstil ist das ganz sicher, so wie diese Häuser verbreitet sind. Und der Jakub Bursa hat auf alle Fälle einen ganz eigenen Baustil entwickelt.

    Abrrr... so einige (wenn nicht "ziemlich viele") Häuser scheinen erst aus dem 19. Jhdt zu sein, d.h. es ist eigentlich weniger "Barock" als "Regionalstil des 19. Jhdts".

    In Stralsund sah ich auch 2 - allerdings wiederhergestellte bzw. rekonstruierte - Giebel mit solchen Schnecken dran. Das Motiv "geschwungener Giebel mit Schnecken dran" ist bestimmt weiter verbreitet, allerdings weiß ich nicht, wann (möglicherweise wurde es im 19. Jhdt aus älteren Vorbildern wiederaufgenommen?) und auch nicht konkret wo überall. Im Jugendstil (um die Jahrhundertwende) gibt es auch viele Häuser mit derart geschwungenen Giebeln, manchmal mit eckigen Schnecken, aber das ist dann später, und die geschwungenen Giebel sind zu der Zeit dann nicht "geometrisch" aus Rundbogen und seitlichem Schnörkel zusammengesetzt, sondern "1 Ding".

    Ob es vielleicht in den Niederlanden/Belgien eher ähnliche Geometrien gibt?

    Die Rundbogenbekrönungen mit "Pilaster"-Unterteilungen (wie bei der Mühle) sind auch speziell. So ganz scheinen die nicht von den (Klein-)Städten abzustammen, denn dort sind die Giebel doch oft anders, vergleichsweise "mickrig" nach oben hin (man kann das vielleicht als "Inn-Salzach-Einfluß" deuten). Die "Bauernbarock"-Giebel sind da vergleichsweise proportionierter und größer.

  • Natürlich ist das 19. Jh. Die Volkskunst ist immer später dran gewesen.

    Natürlich ist es ein Regionalstil, und natürlich ist das nicht ohne Weiteres unter "barock" zu subsumieren, wenngleich es tschech. versuche in diese Richtung gibt.

    Und natürlich stammt die Inspiration aus den Städten. Das Bäuerliche ist stets deftiger, in seiner Naivität übertriebener.

    Man hätte auch das als Vorbild heranziehen können:


    Ähnliches Foto


    es ist auch wohl kein Zufall, dass es sich um ein südböhm. Phänomen handelt - nirgendwo sonst gibt es eine solche Agglomeration von pittoresken, giebelfreudigen Klein- und Kleinststädten, die nebenbei kaum beträchtlich über das Ländliche hinausgekommen sind.


    Die Schnecken, also Voluten, sind natürlich ein typisches Barockelement, das in Italien ausgeprägt worden ist.