Grein/Geranium ad Donau




  • Es gibt, um es klipp und klar zu sagen, größere und prachtvollere Städte in meinem Heimatlande als diese Metropole des Strudengaues.


    Auf dem zweiten Bild sahen wir schon ein ziemliches Ärgernis, ein Sparkassengebäude mitten im Zentrum.

    Das verheißt nichts Gutes, und in der Tat...



    Bankgeschäft geht vor Denkmalschutz! Gewisse Institutionen oder Personen sind halt gleicher vor dem Gesetz als andere...


    Glücklicherweise war das die einzige Insultation des Hauptplatzgefüges.



    Manche hier sind ohnedies Verfechter des Neuen Kitschigen Bauens und werden diesen Betonschinken dem alten schlichten Gründerzeitler vorziehen.


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    Das alte Rathaus birgt in seinem Inneren eine Besonderheit, auf die wie noch zu sprechen kömmen werden.

    Einstweilen geht s im Gegenuhrzeigersinn weiter.

    Hier an der Stirnseite das älteste Haus der Stadt:




    Die Nordseite ist am schönsten:




    Hier sieht man, was der hier so viel geschmähte Historismus zur Veredelung alter Bürgerbauten Wertvolles geleistet hat.


    Damals, vor über hundert Jahren, hat der Bürgermeister das Stadtbild auf diese aufwendige Weise geschmückt und verschönt, sein unwürdiger Nachfolger hat den Sparkassenbau genehmigt! Früher war nicht nur die Architektur besser, sondern auch die Bürgermeister!

  • Was wäre sonst noch zu sagen?

    Der Rest ist Schweigen?


    Na ja, das nicht unbedingt, obwohl...


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    Eine Kirche gibt es auch, wie wir schon gesehen haben:


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    Die Mostviertler Sondergotik beschränkt sich, wie der Name schon sagt, auf das Mostviertel.

    Das ist jetzt vielleicht keine so sensationelle Aussage, allein ist es immer wieder erstaunlich, wie sehr diese Grenze eingehalten wird. Grein grenzt schließlich an das Mostviertel, gleich südlich der Donau geht es mit den Mostviertler Rautengewölben los. Im unweiten Saxen haben wir einige derartige Einflüsse noch dingfest machen können. Nicht so in Grein. Hier gibt es zwar einen stimmungsvollen Innenraum, aber das Kreuzrippengewölbe ist schlicht und banal.


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    Hier zum Vergleich ein kleiner Abstecher in die Bezirksstadt PERG:


    Die mächtige Pfarrkirche steht in der Mitte des riesigen Hauptplatzes:


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    ... der sich jedoch als städtebauliche Niete erweist. Hier das einzige beachtliche Haus, das Seifensiederhaus:


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    Dafür treffen wir im Inneren wieder die uns aus dem Mostviertel so lieb gewordene Raute:


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    Woran erinnert euch das Gewölbe? Könnt ihr was damit assoziieren? Irgendeine ... botanische oder viehische oder etwas dazwischenliegende Struktur, wenn jemand versteht, worauf ich hinauswill?


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    (Lactarius deliciosus)

    Genug dieser reichlich absonderlichen Exkurse (womit jetzt nicht Perg gemeint war. Immerhin ist die Stadt in die Musikgeschichte eingegangen:


    YouTube

    Welche andere Stadt kann schon mit so etwas aufwarten?)

    Zurück nach Geranium.

    An der Donaulände (weiß nicht, ob das dort auch so heißt) steht das ehem. Franziskanerkloster:


  • Wir haben auf das Interieur des Alten Rathauses verwiesen.

    Dort erwartet uns etwas Besonderes:


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    Zitat

    Das Stadttheater Grein ist eine Sehenswürdigkeit von europäischer Bedeutung, es wurde 1791 von den theaterbegeisterten Greiner Bürgern im ehemaligen Getreidespeicher des Rathauses eingerichtet. Es gilt als das älteste im weitgehend Originalzustand erhaltene Stadttheater Österreichs und ist täglich als Kulturdenkmal zu besichtigen. Das Stadttheater wird noch regelmäßig bespielt.


    (Eigenlob)


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    Zitat

    "Die Perle des Strudengaus“ wird das alte Donaustädtchen Geranium (Grein) von den Dichtern genannt. Seit 1491 besitzen die Bürger von Grein die Stadtrechte. Im Mittelalter als das „goldene Städtchen“ weithin bekannt, bezaubert Grein heute mit seinem nostalgischen Charme.


    Eine der herausragendsten Sehenswürdigkeiten von europäischer Bedeutung ist das alte Stadttheater. Im Jahre 1563 wurde von den Greiner Bürgern ein Rathaus mit angeschlossenem Getreidespeicher errichtet. Max Canaval, ein Mitglied der bekannten oberitalienischen Baumeisterfamilie Canaval sowie der „welsche“ Maurer Jakob Kurz waren hier beschäftigt. 1791 wurde von den theaterbegeisterten Greiner Bürgern im ehemaligen Getreidespeicher („Troadkast´n“) des Rathauses ein Theater eingerichtet und wird seit damals regelmäßig bespielt. Heute gilt das aus so früher Zeit erhaltene Stadttheater als Juwel, das von vielen Besuchern aus nah und fern besichtigt und bestaunt wird.


    Viele Kuriositäten aus vergangener Zeit sind hier zu sehen. Original erhaltene Sperrsitze, die man mit einem kleinen Schlüssel auf- und zusperren konnte; ein Klosett, nur durch einen Vorhang vom Zuschauerraum getrennt; ein Gefängnis, aus dem die Gefangenen bei den Vorstellungen zusehen konnten und von den Theaterbesuchern mit Speisen, Getränken und Tabak beschenkt wurden, um eine ungestörte Aufführung genießen zu können; die Napoleonloge und vieles mehr.




    (item)

    Ich kenn übrigens keinen Dichter, der das unsterbliche Dichterwort von der "Strudengauer Perle" geprägt hat. Das Internetz gibt keine Quelle preis, verweist nur aufr "die Dichter" im Allgemeinen. Ich glaub nicht, dass es Stifter war, aber nix is ausgeschlossen. Zu einem blumigen Stil hat er immer geneigt.

    Stifter hat das Donautal um Grein immerhin tatsächlich beschrieben.


    Auch der zweite oö. Geistesheroe (Anton Bruckner natürlich, an wen habt denn ihr etwa gedacht?) hatte mit Grein zu tun:


    Zitat

    Bruckner widmete der Liedertafel Grein "Gerania" ein "Motto" ("Freier Sinn und froher Mut", WAB 147), das er auf Ersuchen des Vorstandes der Liedertafel Grein 1874 komponierte und persönlich überbrachte. Von seinen Kuraufenthalten in Bad Kreuzen unternahm er Wanderungen nach Grein um die Liedertafel zu hören.

    Im Hotel "Goldenes Kreuz" befindet sich noch heute das Probenlokal der Liedertafel bzw. ihres Nachfolgevereins.


    Quelle: brucknerorte.php?ort=69




    Davon gibt's leider nix auf xoutube, dieses Werk ist sogar mir unbekannt (was nicht grad was heißen muss, aber immerhin...)


    Der nahegelegene Kurort Bad Kreuzen hat Bruckner übrigens auf sehr makabre Weise in sein touristisches Konzept eingebaut.

  • Der wunderbare August Strindberg hat in Saxen und Klam schlimm gelitten und in seinem Buch "Inferno" erscheint Grein in sinistrem Zusammenhang:

    "Zehn Kilometer weiter im Osten liegt an der Donau die kleine Bezirkshauptstadt Grein. Dort, erzählt man mir, habe sich Ende November, mitten im Winter, ein Fremder aus Zanzibar als Tourist niedergelassen. Dies genügt, alle Zweifel und schwarzen Gedanken eines Kranken aufzuwecken. Ich lasse Erkundigungen über den Fremden einziehen, ob er wirklich Afrikaner, woher er gekommen sei, was er beabsichtige. Man erfährt nichts, ein geheimnisvoller Schleier umhüllt den Unbekannten, der Tag und Nacht wie ein Gespenst vor meiner geängstigten Seele steht."