Eggenburg (Galerie)

  • Das letzte Luftbild zeigt das Elend des heutigen "Städtebaus", von welchem Begriff nicht mehr die Rede sein kann...


    Hier dagegen ist die Welt in Ordnung:


    Ilustracja


    By flightlog - Eggenburg HauptplatzUploaded by High Contrast, CC BY 2.0, File:Eggenburg Hauptplatz (9364710563).jpg - Wikimedia Commons


    hier einigermaßen:


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    Dieser Blick erinnert etwas an Znaim, wie überhaupt der abrupte Geländeabsturz hinter der Pfarrkirche:


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  • Anhand dieser Luftbilder und Panoramen wissen wir schon recht viel über diese Stadt.


    Hier noch ein paar "Informationen":


    Eggenburg liegt am Ostrand des Waldviertels in Niederösterreich. Die Stadtgemeinde hat 3.540,- Einwohner, davon allerdings auch schon an die 200 Mohammedaner.


    Die Geburtsstunde der Stadt ist in der Babenbergerzeit (976–1246) anzusetzen. Nach der Jahrtausendwende wurde Niederösterreich bis an den Nordwald – das heutige Waldviertel – besiedelt. Zur Sicherung dieses Gebietes entstand um 1160/70 die befestigte Grenzstadt Eggenburg bereits mit Marktfunktion. Erste urkundliche Nennungen von Eginpurch liegen aus dem 12. Jh. vor. Im Zwist Premysl Ottokars mit Rudolf von Habsburg schlug sich Eggenburg auf die Seite des Habsburgers, worauf dieser am 13. August 1277 der Stadt die Stadtrechte erneuerte.

    Eine Brandkatastrophe im Jahre 1808 hat einen Niedergang der Stadt bewirkt. Mit dem Bau der Franz-Josefs-Bahn 1870 wurde Eggenburg von Wien aus in zwei Stunden erreichbar. Die Bevölkerung nahm wieder zu, und mit der Initiative Gartenstadt des Kaufmanns Franz Gamerith entstand eine Stadterweiterung.[


    Hauptsehenswürdigkeit ist die Pfarrkirche hl. Stephanus


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    Die Kirche ist ein weithin sichtbarer und die Stadt überragender Bau mit einem Langhaus mit hohem Satteldach und einem von zwei Türmen flankierten Chor. Die Kirche stand anfangs westlich außerhalb der Stadtmauern. Nördlich ist die Kirche mit einem gedeckten Gang mit dem ehemaligen Pfarrhof verbunden. Der Karner hl. Michael wurde 1792 abgetragen. Anfangs Teil der Pfarre Gars am Kamp wurde die Kirche 1135 zur Pfarrkirche erhoben. Von 1266 bis 1564 wurde eine Doppelpfarre mit Gars gebildet. Die gut dotierte vom Landesfürsten vergebene Kanzlerpfarre war von 1274 bis 1304 unter Pfarrer und Magister Heinrich, von 1323 bis 1349 unter Otto Graf von Maidburg-Hardegg, von 1403 bis 1435 unter Andreas Plank, von 1500 bis 1505 unter Lang von Wellenburg und 1705 bis 1730 unter Konrad Ferdinand von Albrechtsburg. Vom romanischen Kirchenbau sind die Osttürme aus dem 12. Jahrhundert erhalten. Der hochgotische Langchor entstand um 1340. Die Außenmauern des spätgotischen Langhaus wurden von 1482 bis 1485 errichtet. 1486 entstand ein Baustillstand durch die Eroberung der Stadt durch Matthias Corvinus. Die Einwölbung und Weiterführung des Langhauses begann mit 1500. Die Weihe der Kirche war 1537. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche teilweise barockisiert. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine neugotische Einrichtung.


    Gewölbe:


    Bildergebnis für Eggenburg Stephanuskirche


    Die Kanzel:


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    gemahnt an den Wiener Stephansdom:


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    Mit Marienaltar:





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    Karner:


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  • "Hassenswerte Neogotik?" lautete eine Essay des früheren Landeskonservators für NÖ Dr Franz Eppel, der eine Tochter Eggenburgs verehelicht hatte. Seine Antwort lautete unterm Strich: Nein. Er erkannte diesem Werk durchaus kompositorische Folgerichtigkeit zu, wenngleich sich ein Vergleich mit echter gotischer Handwerkskunst natürlich verbietet.

    Immerhin fiel dem Ding der barocke Hochaltar zum Opfer, dessen monumentalen Reste das südl. Seitenschiff abschließen.

  • Eggenburg ists im Ganzen wohl die architektonisch bedeutsamste Stadt des nördl. NÖs.


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    Die Stadt ist nicht so homogen erhalten wie Retz, allerdings ohne ganz große Bausünden, wenngleich ein Sparkassenneubau der östlichen Hauptplatzzeile arg zu schaffen macht.


    Der große, sehenswerte Hauptplatz ist völlig unregelmäßig, vier oder fünfeckig, genau kann man das nicht sagen, mit eine Häuserinsel in der Mitte, dem sog. Krätzl (vgl Iglau, Korneuburg, Wiener Neustadt, hier auf Schlesien zu verweisen, wäre wohl zu weit hergeholt). Hier das Krätzl von Südost mit dem schönen Gamerithhaus (rechts vom Eckhaus):


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    Am schönsten ist die Südfront des Platzes, die wir uns (als einziges) näher anschauen wollen:


    photo-5073-ce4e29e4.jpg


    Keine waldviertler Häuserzeile istso böhmisch-mährisch angehaucht wie diese. Was kaum jemand weiß (und auch das BDA nicht): zumindest eines dieser Häuser (wahrscheinlich mehrere) besitzt einen zugemauerten Laubengang. Bei Restaurierungsarbeiten entdeckt, wurde er schnell wieder zugemauert, um diesen Umstand zu verbergen. Auch der Nordwestzeile blieb ein Laubengang erhalten.

  • Nicht das Glanzstück des Platzes. Natürlich fällt hier wieder mal die RaiBa auf:


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    Eine etwas freundlichere Ansicht mit Heimatstil:


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    Historsische Ansicht - das schiache RaiBa-Gebäude steht noch nicht. Rechts das einzige freigelegte Laubenhaus der Stadt:


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    Der südöstliche Teil des Kretzls mit dem barocken Gamerithhaus (rechts):

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    Mariensäule und Pranger- zwei Platzräume:


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    Klassische Platzansicht mit Pestsäule:


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    Lieder geht hier die Straße durch den Platz:


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  • Das letzte Luftbild zeigt das Elend des heutigen "Städtebaus", von welchem Begriff nicht mehr die Rede sein kann...

    Verstehe ich nicht. Etwa deswegen nicht, weil ich zu lange, d. h. schon immer, im Westen Deutschlands gelebt habe?


    Das Elend des heutigen Städtebaus besteht doch u.a. darin, alles zu verdichten, so dass die Stadt unattraktiv wird und alle, die es sich leisten können, in die Nachbargemeinden der verdichteten Städte ziehen. Und jeden Tag Stunden für den Weg zur Arbeit verbraten.


    So eine Stadt, wie hier im Luftbild gezeigt, ist doch traumhaft, vor allem wenn man bedenkt, wie so etwas heute alles total zugebaut würde.

  • Na ja, die heutige Zeit reiht halt alles in einfallsloser und unüberlegter Art nebeneinander, während man früher die Häuser und Straßen auf einen Platz, eine Kirche oder auf sonst irgendein bedeutsames Monument oder Gebäude hin komponiert hat und somit ein Zentrum und eine Steigerung dorthin, überhaupt eine Rhythmisierung geschaffen hat, die einer Stadt erst Spannung verleiht.

  • Zeno, da sieht man doch schlecht dh völlig unurban strukturierte EFH-Siedlungen, deren Straßenbreite sich aus dem Wendekreis der Müllfahrzeuge ergeben, keine Straßen mehr mit einer Flucht, ein städtebauliches Nichts, dazu enorm landschaftsverbrauchend.

    Da sind ja Plattenbausiedlungen Gold dagegen.

  • Ja, solche Kretzln (oder Krätzln, vielleicht auch Grätzl) gibt es tatsächlich in Ö.

    Mir fallen ad hoc Korneuburg und Wr. Neustadt ein. Vielleicht auch (eher nicht) Horn und ein paar Waldviertler Orte mit ihrer Verschachtelung von zwei Stadtplätzen. Aber dort finden sich stets Kirchen oder Rathäuser in der Mitten.

    In Mähren hat es ein berühmtes Beispiel gegeben: Iglau. Das dortige Kretzl ist aber durch einen Supermarkt ersetzt worden. Solche Kretzln haben mE nix mit den schlesischen Mittelblöcken zu tun, in welchen ua die wuchtigen Rathäuser herumstehen, eher mit den sog. Stöckln, zB in Eger und früher auch in Znaim.

    Der Eggenburger Platz ist wirklich ungewöhnlich. Die fünfeckige Form halte ich für ein verschlamptes Viereck, das sich durch das weite Mündungsdelta der Rathausstraße ergibt - in der das Rathaus jedoch gar nicht liegt, sondern in deren Verlängerung, der Kremser Str.

    An sich wäre die Situation mit den beiden parallelen Ausfallsstraßen, die vor dem Tor zusammenlaufen, nicht so ungewöhnlich. Aber mit der Platzfront um die Rathausstraße ist wohl was im wahrsten Sinne schiefgelaufen. Interessant, dass dort um die Einmündung von Rathaus- und Kremserstraße die älstesten und schönsten Häuser stehen. Vielleicht war dort die Gründungszelle, und die Rechtecke im Westen sind nachträgliche Stadterweiterung.

    Ich weiß zu wenig darüber.