Wittingau - die Seele Südböhmens (Galerie)

  • Třeboň wird am besten wie Tschebonj ausgesprochen, wobei man das "sch" gleichzeitig mit einem RRR sprechen sollte. Die übliche Transkrpition rsch ist nur ein Notbehelf. Man kann natürlich auch "Wittingau" sagen, wobei man jedoch in Gefahr läuft, nicht verstanden zu werden. Auch bei uns in NÖ ist dieses deutsche Toponym kaum noch gebräuchlich, anders etwa als "Neuhaus". Gut, wer kann schon Jindřichův Hradec aussprechen, könnte man meinen. Im Falle Wittingaus ist man halt unerschrockener - man sagt einfach Trebon.

    Das will ich nun eindeutig nicht sagen oder schreiben, und da mir die Hatscheks zu umständlich sind, wähle ich hier den deutschen Namen. Am ehesten lebt er als Adjektiv weiter - Meister des Wittingauer Altars, Wittingauer Madonna, Wittingauer Karpfen, Wittingauer Becken und Teiche...

    Die Stadt ist gewissermaßen die Seele Südböhmens. Teiche und Giebel/Lauben/häuser. Diese Stadt böhmakelt einfach durch und durch. Gleichzeitig wirkt sie authentischer. wahrhaftiger das mährische Teltsch, das mehr einer Märchenwelt entsprungen zu sein scheint. Der Wittingauer Ringplatz kann nicht mit dem Teltscher Pendant mithalten, dafür liegt er in einer richtigen Stadt mit Gassen und Straßen, ist nicht sozusagen als Quasikulisse mit dieser mehr oder weniger identisch.

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    Eine charakteristische Vedute, könnte man meinen. Leider kriegt man sie nicht so zu Gesicht. Vielmehr sieht man nur das (maximal, dh wenn man sehr gute Augen hat):



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    Třeboň ist seit dem 16. Jahrhundert ein Zentrum der südböhmischen Karpfenzucht. Sie geht auf die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit der beiden letzten Rosenberger, der Brüder Wilhelm und Peter Wok zurück. Unter dem Rosenbergischen Oberfischmeister Štěpánek Netolický entstand 1506-1520 mit dem Bau des Goldbachs ein Kanalsystem, das sämtliche großen Fischteiche im Wittingauer Becken verbindet und mit dem die bereits im 14. Jahrhundert angelegten Teiche gesichert wurden. Unter dem Wirtschaftsverwalter Jakob Krčín von Jelčany wurde das Kanalsystem mit der Anlage des Teiches Svět, dessen Name sich von Zwettl ableitet, technisch perfekt vollendet. Für den Teich wurden zwei Wittingauer Vorstädte aufgelassen. 1584-1589 wurde der nördlich der Stadt liegende Rosenberg-Weiher angelegt, der mit 267 Hektar Fläche der größte Teich Böhmens ist.
    Wegen der Teiche betreibt die Karls-Universität Prag in Třeboň ein Institut für Botanik, das sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Algen und Wasserpflanzen befasst.

    Soviel Wikipedia. In den kommunistischen Reisführern wurde Herr Jakub als eher ambivalente Figur geschildert, als gnadenloser Leuteschinder, der auch keine Skrupel gegenüber der zu vertreibenden Bevölkerung kannte. Schließlich wurden die Teiche zT anstelle von Siedlungen errichtet. Außerdem übersetzte der Reiseführer den Namen des Teiches Svět an und für sich korrekt mit "Welt" . Der Verweis auf das nö Zwettl (Světlá) ward uns nicht gegönnt.

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    Das war alles der Rosenberg-Weiher, der größte aller Teiche, der im Norden der Stadt liegt. Hier eine unvergrößerte Ansicht, wer will, kann hier versuchen, die Türmchen der Stadt auszumachen:


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  • Nun zum südlich gelegenen Teich, dem nach Zwettl Benannten. Er grenzt unmittelbar an die Stadt an. Für ihn mussten zwei ganze Vorstädte weichen. Südlich von ihm befindet sich das Schwarzenbergsche Mauseleum, das mir jedoch kein Bild wert war - ich musste sparen.

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    Gleich neben dem Teich, unter dessen Damm sozusagen, beginnt die Stadt:

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    Sehr hübsch sogar:

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    In der Mitte hinten war das Schloss zu sehen.

    Hier das Schloss von SW:

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    Hier der Kernbau:

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    Wir aber machen kehrt und betreten die Stadt von Süden, zuerst durch das Gratzener und sodann durch das darauf folgende Schweinitzer Tor, eine der markantesten Sehenswürdigkeiten, von der ich vielleicht deshalb kein Bild gemacht habe.

    Als Entschädigung vielleicht dies:

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    Rückseite:


    Ähnliches Foto


    beie Bilder trebonsko.cz

  • Hier zwei Ansichten der pittoresken Rosenberger Gasse:

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    Jetzt sind wir am Ringplatz angelangt. Hier steht das schönste Haus der Stadt, jenes zum Weißen Rössl:

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    Hier mündet die Hus-Straße ein.

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    Das Weiße Rössl von der Hus-Straße mit Rathausturm:

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    Im O das Neuhauser Tor:

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    Rathaus und Süd-Zeile (die Häuser ganz rechts sind Fiktionen aus der späten komm. Zeit):



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  • Die wunderbare Nordseite. Nicht alle Giebel sind echt! Manch traufseitigen Häusern wurden einfach irgendwelche Adaptionen draufgesetzt, dies schon in kommunistischer Zeit. ME wurde der abwechslungsreiche Rhythmus dieser Zeile zugunsten einer Pseudogeschlossenheit beeinträchtigt. Aber das sind nun wahrlich Luxusprobleme:

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    Hier das einzige giebelfrei belassene Haus. Wie leicht zu erkennen, ist der linke Giebel falsch. Die so entstandene Geschlossgleiche ist mE ungünstig:

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    Grundsätzlich ist diese Pseudobarockisierung historistischer Häuser sehr bedenklich. Auch historistische Häuser haben ein Recht auf Beibehaltung der ihnen innewohnenden Stringenz. Wenn schon, dann hätte der Giebel eben auch ekklektizistisch ausfallen müssen.

    Sicher. Luxusprobleme, überhaupt angesichts des kommunistischen Städtebau. Vis-à- vis wurde die halbe Ringplatzzeile abgerissen (Empire bzw Historismus ware eben nicht schützenswert) und pseudohistorisch ersetzt, leider auch mit einem Plattenbau mit historisierenden Versatzstücken, wie auch in der DDR anzutreffen. Früher störte mich der gewaltig, heute... nun ja... da ist erfast wieder historisch. Man gewöhnt sich an vieles.

    Auf dem obigen Bild übrigens links ist zu sehen ,dass der Platz über keinen W-Abschluss verfügt. Hier grenzt der Schlosspark an, was indes sehr hübsch wirkt.

    Hier die Zuckerseite des Platzes. Die links und rechts angeschnittenen Giebel sind beide falsch:


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  • In den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Südwestseite des Rings massiv umgebaut:


    Ähnliches Foto


    Stattdessen nun Anpassungsarchitektur, teilweise (post)modernistisch (rechts Haus des Brotes):


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    hier eine alte Ansicht mit Blick auf die betroffene Stelle:


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    ohne Zweifel wäre das der heutigen Situation vorzuziehen!


    Ähnliches Foto

  • Schöner Platz - der Rest ist Schweigen - das trifft auf unzählige böhm.- mähr. Kleinstädte zu, indes nicht auf W. ein Nördlingen darf man sich gleichwohl nicht erwarten, das gibt es in den böhm. Ländern (und auch anderswo!) nicht, aber immerhin dieses:

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    Die kurze Brezanová (r mit Ehschonwissen) führt vom Platz zur Kirche und kann sich sehen lassen.

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    Laubenhäuser auf beiden Seiten - das gibt es sonst nur in Budweis, nicht einmal in Neuhaus oder Krumau.



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  • Bleibt noch die Hus-Straße, die vom Budweiser tor einen Viertelkreis zum Platz beschreibt. Sie wirkt schon vorfstädtisch, indes sehr charaktervoll.

    Hier ist das Budweiser Tor zu sehen (hinten, rechts vorn der Durchgang zur verlängerten Brezanová neben der Kirche).

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    Daneben schließt die Ägidien-Kirche an (links hinten wieder das Budweiser Tor):

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    Werfman Blick eini:

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    Hier ist sie, die anmutige Wittingauerin:

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    Rechts wo gings zu den Fleischerbänken, aber dovn gibts wieder mal kein Bild hier:

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    Hier windet sich die Husová schon zum Platz, und mit diesem Bild wollen wir unren Besuch in dieser schönen kleinen Stadt beschließen:



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  • Aufschrift am Gratzener Tor:

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    Schweinitzer Tor von hinten (Feldseite):

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    und von vorn:

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    Gratzener Tor (sozusagen das Außenwerk des Schweinitzer Tors, so gesehen ist die unterschiedliche Namensgebung nicht verständlich):

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    beide Tore:

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    Neben den Toren dieses imposante Bauwerk:

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    "Besser eine lebende Brauerei als eine tote Burg" (tschech. Redensart). Aber dieser Brauerei ist - anders als zu Saaz oder Znaim - keine Burg zum Opfer gefallen:

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    Vis-à-vis der Brauerei geht es durch dieses Renaissanceportal in den Schlossbereich:

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    Blick in die andere Richtung, auf die fürschtliche Brauerei:



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