Zlabings - Stadtdenkmal an der Grenze

  • In Datschitz sind wir grad gewesen (Galerie), was ist naheliegender als ein Ausflug nach Süden?

    (blöde Frage, natürlich einer nach Norden, wo Teltsch warten würde!)

    Hier wartet das Städtchen Zlabings, gerade mal zwei km von der österr. Staatsgrenze entfernt.

    Das bedeutete, dass neben Zlabings bis 1990 der sog. Eiserne Vorhang stand.

    Hier ein Bild davon, vom fahrenden Auto aus auf der Straße Zlabings-Neubistritz (ca 1985):


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    Dieses Bild ist weiter östlich gemacht worden ( bei Frain/Thaya), von einer damals verbotenen Straße aus (das Bild selbst war erst recht verboten):


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    Zlabings konnte (dh natürlich kann, aber heute ist es nicht so wichtig) man von Österreich aus sehen:



    Hier der Blick von einer Anhöhe bei Fratres auf das Städtchen Zlabings (um 1985).


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    Den Eisernen Vorhang sieht man hier nicht, er verlief unmittel vor der Stadt. Der Wachturm in der Bildmitte diente zur Beobachtung des Niemandslandes. Die Staatsgrenze selbst verläuft entlang des Raines im Vordergrund, dh alle hier sichtbaren Bäume standen bereits in der CSSR.

    Der Grenzübergang Fratres- Slavonice ist erst nach der Wende eröffnet worden, früher musste man über Znaim oder Neubistritz fahren.

    Trotz der Lage am Eisernen Vorhang war die Stadt für Touristen zugänglich, sie stand auf der Liste der MPR (städt. Denkmalreservationen) und war auch oft in Publikationen abgebildet.


    Die Stadt ist rein deutsch gewesen. Nach 1918 kamen natürlich ein paar tschechische Beamte mit Familien. Die Vertreibung erfolgte in mehreren Wellen, hauptsächlich in der sog. wilden Phase im Frühsommer 1945, daneben auch 1946.


    Die wertvollen Sgraffiti wurden zum größeren Teil erst in der komm. Zeit freigelegt. Sie stammen aus der protestantischen Phase. Im Zuge der Gegenreformation ist die Bevölkerung bereits ausgetauscht worden, die Katholiken wollten von diesem protestantischen Machwerk nichts wissen und übertünchten alles. Auch bei uns wurden derartige Häuser erst relativ spät im Zuge der staatlichen Denkmalpflege freigelegt:


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    Derartige Häuser, bei uns ein ziemliche Besonderheit, gibt es nun in Zlabings gehäuft.


    Doch eins nach dem anderen.


    Wir beginnen außen, von Datschitz kommend.

    Barbakane mit Datschitzer Torturm:

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    P3290379 von alexanderfranzlechner auf Flickr



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  • Dieses Grenzer-Gebäude war das einzige, was man vom heutigen Grenzübergang Fratres -Zlabings aus sehen konnte:


    Ähnliches Foto



    Ähnliches Foto



    Hier ein Video von 1945, das irgendwie recht düster anmutet (wobei gegenteilige Empfindungen jedem anheim gestellt sein mögen):



    Bildergebnis für slavonice 1945


    Der T-34 kommt von Süden, also aus Österreich, die Stadt scheint indes schon von tschech. Freischärlern "befreit" worden zu sein, wie Fahnen fehlende dt. Aufschriften belegen. Die jubelnden Volksmassen sind überschaubar (wohl eher Neusiedler als verbliebene Minderheit).


    Spitalgasse in der Vorstadt um diese Zeit:


    Bildergebnis für slavonice 1945

  • Bilder aus ca 1985:


    Blick vom Unteren Platz zum Datschitzer Tor. Die heute sehr schön renovierte Gasse ist kaum wiederzuerkennen:

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    Bahnhofsstraße- Blick vom Friedhof:

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    Die Südseite vom Unteren Platz hat sich nicht drastisch geändert:

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    Anders die Nordseite. Das renovierte gelbe Haus trägt schon eine "künstliche" dh fiktive Attika. Das Haus birgt wertvolle Interieurs (Zellengewölbe im "Maßhaus" und Sgraffiti)


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  • Der Südwesten des ehem Zlabinger Ländchens liegt heute brach. Es ist die Gegend nördlich des nö. Weilers Radschin, der eine stimmungsvolle Holzkirche aufweist:

    Bildergebnis für radschin


    Heute kann man leicht über die grüne Grenze und im naturbelassenen Niemandsland schöne Spaziergänge und Wanderungen unternehmen.


    Bildergebnis für nova bystrice cssr

    (livetouring.com)


    Früher sah es an Stellen wie dieser so aus:


    Ähnliches Foto


    Ähnliches Foto


    Ein zeitgenössischer Autor schrieb über Gegenden wie diese:


    Der Weg führte anfangs über einen mit saftigen Wiesen bedeckten Hang, auf welchem hie und da verwilderte Obstbäume oder kleine Mauerreste an einstige Gehöfte erinnerten, was aber nur von einem kundigen Auge wahrzunehmen war. Die Natur hatte also einiges an Terrain zurück gewonnen, und dies in so glänzender und triumphaler Manier, dass man trotz allen Wissens um das damit verbundene tragische Schicksal der ehemaligen Bewohner und fernab jeglicher Verniedlichung oder gar Rechtfertigung des hier geschehenen Unrechtes nicht anders konnte, als sich über diesen Sieg zu freuen. Alles erstrahlte in sattem Grün, nach den vergangenen Regenfällen um einige Töne dunkler als zuvor, Gesundheit und Kraft verheißend, fernab und unerschüttert von allen destruktiven Einflüssen einer völlig außer Rand und Band geratenen Wirtschaftsordnung, deren Pesthauch nicht bis hierher zu reichen schien. Über aufsteigenden Dunstschwaden erstrahlte der Himmel in beinahe schon herbstlich anmutendem, klarem Blau, rein und unbefleckt, von keinem Jumbo-Jet mit Kondensstreifen verunstaltet oder mit dumpfem Gedröhn erfüllt, und auch sonst waren keinerlei von Verbrennungsmotoren stammende Geräusche zu vernehmen, nur das Rauschen des mild erfrischenden Windes über den weitläufigen Fichtenwäldern.

    Gleichwohl mangelt es nicht an düsteren Relikten der Vergangenheit:Bildergebnis für gottschallings zlabings