Historische Stadtpläne

  • Anbei noch eine kleine Übersicht über historische Stadtpläne zu Straßburg. Zwar sind wohl alle Urheberrechte erloschen, im öffentlichen APH-Forum wollte ich sie aber doch sicherheitshalber nicht posten ...


    Wir beginnen mit frühen Entwürfen von Conrath zur Gestaltung des Straßburger Nordens und späteren Universitätsviertels:



    Die erste Skizze oben links zeigt den Ist-Zustand vor der gründerzeitlichen Stadterweiterung mit Festungsanlagen und landwirtschaftlich genutzten Flächen, die St. Heleneninsel, die heute von den beiden Ill-Armen umflossen wird, ist noch nicht klar zu erkennen, es gab eine Reihe von kleineren Flußarmen und häufige Überschwemmungen - tatsächlich wurde das gesamte Areal vor der Bebauung um etwa 2 bis 3 Meter aufgeschüttet und die Flußarme wurden befestigt. Erst dadurch enstand die charakteristische Form der heute aufgelockert bebauten Insel.


    Die mittlere Skizze zeigt einen frühen Entwurf der Bebauung, hier sind neben der recht wuchtigen geplanten Bebauung der Universität (die im Prinzip beibehalten wurde, wenngleich die Baumassen deutlich reduziert wurden), vor allem zwei Dinge interessant (vgl. die rechte Skizze, die den Ist-Zustand kurz vor dem Ersten Weltkrieg abbildet):


    - die Heleneninsel sollte analog zur restlichen Neustadt mit geraden Straßen bebaut werden, die protestantische Garnisonkirche sollte nicht nur komplett umbaut, sondern auch nördlich der Brücke platziert werden - realisiert wurde davon fast nichts, nach dem Krieg erfolgte die Bebauung wie in der rechten Skizze


    - der Fünfzehnerwörth (östlich der Ill) sollte ursprünglich ähnlich dicht wie die westliche Neustadt bebaut werden, es waren zwei sehr repräsentative Plätze geplant, von denen der westliche in der obigen Skizze zu sehen ist (Ende der Tauler Str.) - unter dem Einfluß von Camillo Sitte kam man davon ab, plante jetzt anstelle der kerzengeraden Straßen eher kleinteiligere Strukturen sowie eine Ringstraße (Antwerpener Ring), die den Osten des Fünfzehnerwörth wie ein großes U erschließen sollte - gebaut wurde vor dem Ersten Weltkrieg östlich dieser Ringstraße jedoch nur noch sehr wenig


    Skurriles Detail: Die Brücke in der Verlängerung der Tauler Str. in Richtung Schiltigheimer Tor wurde schon im 19. Jahrhundert geplant, allerdings erst in den 20er Jahren realisiert, weil ein einzelner Anwohner sein Grundstück nicht verkaufen wollte.

  • Hier ein interessanter Plan des Zentrums, der mit der Jahreszahl 1906 gekennzeichnet war:


    1906_2.jpg


    Hier ist die Neustadt schon in weiten Teilen fertiggestellt, im Süden ist indes noch die Stadtbefestigung inkl. Metzgertor erhalten, wenngleich der Metzgertorhafen schon angelegt wurde.


    Derselbe Plan, aber als Übersichtsplan mit Vororten:


    1906_1.jpg


    Kronenburg, Schiltigheim und Ruprechtsau waren damals tatsächlich noch Dörfer, heute sind sie praktisch nahtlos mit Straßburg zusammengewachsen - Neudorf wurde indes gemeinsam mit der Errichtung der Neustadt urbanisiert, hat aber abgesehen von einigen Kirchen und öffentlichen Bauten kaum Sehenswertes zu bieten.


    Deutlich zu sehen ist auch das bereits durchgeplante und später tatsächlich auch von Frankreich in dieser Form realisierte Straßennetz im östlichen Fünfzehnerwörth, der praktisch unbebaut blieb.

  • Ein weiterer Stadtplan, der im Wesentlichen das östliche Stadtzentrum und den bereits umgeplanten Fünfzehnerwörth zeigt, zwar ohne Jahresangabe, ich würde aber auch in etwa auf dasselbe Jahr schätzen (das östliche Ministerium am Kaiserplatz ist noch nicht realisiert, sondern trägt den Vermerk "Bauplatz für" - es wurde 1907 bis 1911 errichtet).


    canvas.jpg


    Und hier noch aufgrund seiner Übersichtlichkeit mein bevorzugter historischer Stadtplan von 1910:


    Stadtplan_1910.jpg


    Wirklich viel hat sich nicht mehr getan: Die Neustadt wurde nach Norden hin etwas erweitert (die Insel blieb jedoch fast unbebaut), entlang der Ruprechtsauer Allee wurde im Fünfzehnerwörth etwas nachverdichtet (zwischen Universität und Orangerie, im Norden befinden sich dort heute die EU-Institutionen).


    Im Süden wurden offensichtlich die Stadtbefestigungen entfernt, auch die Feldartillerie-Kaserne ist nicht mehr eingezeichnet - vielleicht als Vorbereitung zum Bau des geplanten Schweizerviertels?

  • Und hier mal ausnahmsweise kein Stadtplan, sondern ein Bebauungsplan - und zwar von 1880, offiziell herausgegeben durch Straßburger Architekten - Jean Geoffroy Conrath (1824-1892) - hier ist deutlich zu sehen, daß der östliche Teil der Neustadt ähnlich wie der westliche Teil geplant war: mit monumentalen Plätzen und einem rechtwinklig angelegten Straßennetz.



    Der Plan erklärt wohl auch die monumentale Anlage des Kölner Rings, der ja zwei Plätze kreuzen sollte. Interessant auch die halbkreisförmige Anlage des Arnoldplatzes und die beiden geplanten großen Plätze - ungefähr auf Höhe des westlichen Platzes ist der halbkreisförmige Antwerpener Ring mit betont kleinteiliger Bebauung (und heute einer schlimmen Bausünde aus den 70ern), anstelle des im Osten geplanten Platzes wurde ja nach dem 2. Weltkrieg die Cité Rotterdam errichtet, das erste Beispiel für industrialisierten Sozialwohnungsbau in Frankreich, errichtet ab 1951, bereits zu sehen in Straßburg (F) - Straßburger Städtetouren, Teil 11, von Kehl über den Straßburger Hafen bis zur Cité Rotterdam