Bedeutende Bauten in Straßburg - vor 1871

  • In dieser Rubrik möchte ich bedeutende Bauwerke in Straßburg vorstellen, die vor 1871 errichtet wurden und nicht im Rahmen der Galerien zu den bedeutenden Architekten oder Rundgängen vorgestellt werden konnten (oder nur ganz am Rand angesprochen wurden).


    Den Anfang machen drei Palais aus dem 17. Jahrhundert, die allesamt in der Nähe des Broglieplatzes zu finden sind, genauer gesagt im Umfeld der Achse Blauwolkegasse - Münstergasse, die den Broglieplatz ja am westlichen Ende kreuzt.


    Dabei handelt es sich um das Hôtel de Marmoutier, Hôtel d'Andlau und Hôtel Livio - die französische Bezeichnung bezeichnet übrigens in diesem Fall ein nobles Stadtpalais und entspricht in etwa dem italienischen Wort "palazzo".

  • Nach einer längeren Pause komme ich jetzt endlich dazu, auch die Straßburg-Beiträge fortzuführen.


    Als erstes Gebäude möchte ich das Hôtel d'Andlau vorstellen, so benannt nach dem gleichnamigen Grafen, der Anfang des 18. Jahrhunderts das dort früher befindliche Gebäude (Zum Wolkenberg - daher wohl auch der spätere Name der Straße "Blauwolkengasse") aus dem 16. Jahrhundert erwarb und bis 1734 grundlegend umbauen ließ.


    Nach diversen Nutzungen (bischöfliches Seminar, medizinische Fakultät ...) gehört es heute der Verwaltung des Straßburger Hafens.




    Besonders schön auch der Blick Richtung Broglieplatz mit den Türmen der Gebäude von Salomon (schon in seiner Monographie vorgestellt) und Krafft/Berninger (Blankenburg-Haus auf der linken Seite, Monographie folgt noch).




    Parallel zum Broglieplatz verläuft ja eine der bedeutendsten Straßen der Straßburger Altstadt, die Brandgasse, die auch bereits bei einem Rundgang präsentiert wurde.


    In dieser Straße befindet sich das nächste Palais, das Hôtel de Marmoutier (direkt hinter dem Rathaus), das ursprünglich Mitte des 18. Jahrhunderts für die gleichnamige Abtei errichtet wurde. Architekt war übrigens Jean-Pierre Pflug (gemeinsam mit seinem Sohn), dem wir auch das Hauptgebäude des Bürgerspitals verdanken. Nach Nutzungen durch die Post und Polizei dient das Gebäude inzwischen als Sitz von Einrichtungen der Stadtverwaltung.


    Aufgrund der sehr schmalen Gasse läßt sich die Fassade nur schwer fotografieren:





    Gleich gegenüber übrigens die einzige Bausünde (leider auch vom Broglieplatz aus zu sehen) - das Le Broglie von 1975, das an die Stelle eines gründerzeitlichen Kinos trat:


  • Nach längerer Pause auch hier wieder ein weiterer Beitrag. Wir gehen von der Brandgasse wieder zurück in Richtung Neukirche und biegen dann nach Süden ab, auf die Münstergasse, die tatsächlich die direkte Verbindung zum Münster darstellt.


    Schon nach wenigen Metern ist dann auf der rechten Seite das Hôtel Livio zu sehen:





    Erbaut wurde es 1791 durch den Architekten Pinot aus Paris, seinen Namen erhielt es durch den Verkauf an den Bankier und früheren Straßburger Bürgermeister Livio, erst in den 1980er Jahren wurde das originale und recht schlichte Erscheinungsbild wiederhergestellt.




    Von hier aus nun ein großer Sprung an die Ill, zu zwei Gebäuden, die sich hier schräg gegenüber liegen - der Johanniskirche auf der einen und den Resten des Hôtel de Neuwiller auf der anderen Seite.


    Zur Kirche gibt es einen Eintrag in der Wikipedia, es handelt sich um eine katholische Kirche von Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut wurde und im September 1944 bis auf die Außenmauern zerstört wurde. Der Wiederaufbau stammt aus Mitte der 1960er Jahre, daneben gibt es einen Innenhof mit einem früheren Kloster, das ebenfalls zerstört wurde, aber schon seit langer Zeit als Schule dient und teilweise im Stil der Nachkriegszeit gestaltet wurde.





    Der Innenhof:




    Der moderne Teil:




    Schräg gegenüber ist dann dieses eher unauffällige Gebäude zu sehen, das Hôtel de Neuwiller:





    Dabei handelt es sich um den Rest eines viel größeren Palais aus dem Jahr 1751 von Jacques Gallay, einem aus Freiburg in der Schweiz stammenden Architekten, der eine Reihe von Bauten in Straßburg realisierte (darunter auch das nach ihm benannte Maison Gallay direkt gegenüber des oben erwähnten Palais Livio - Foto muß ich noch nachreichen).


    Das Palais hatte seinen Haupteingang an der Alten Weinmarktstraße und wurde für die Errichtung des Kaufhaus Tietz im Jahr 1909 zum überwiegenden Teil abgerissen - immerhin steht noch der Innenhof und der Gebäudeteil Richtung Ill.


    Fotos des Kaufhauses gibt es unter Straßburger Architekten - Gustave Oberthür (1872 - 1965) - auch in diesem Beitrag hatte ich den Abriß schon kurz angesprochen.


    Und abschließend der Blick zurück zur Johanniskirche: