Joseph Massol (1700-1771)

  • Joseph Massol wurde 1700 in Avignon geboren und ist 1771 in Straßburg verstorben. Er ist bislang der einzige Architekt in meiner Liste, der nicht im 19. Jahrhundert tätig war und tatsächlich gebürtiger Franzose war.


    Auch wenn er somit nicht unbedingt meinem Interessensschwerpunkt entspricht - angesichts von Tausenden von erhaltenen Baudenkmälern in Straßburg kann ich nur einen kleinen Ausschnitt präsentieren - darf er aufgrund seiner außergewöhnlichen Bedeutung für Straßburg nicht unerwähnt bleiben.


    Nach seiner Heirat in Paris im Jahr 1725 war er ab 1728 bis zu seinem Tod ununterbrochen in Straßburg tätig und entwarf und realisierte eine Vielzahl von Projekten in der Stadt Straßburg und im Elsaß. So leitete er ab 1728 als bischöflicher Architekt (Architecte de l'Evêque et du Grand Chapitre de la Cathédrale) unter anderem den Weiterbau des bischöflichen Palais am Münster, des heutigen Rohan-Palasts, realisierte den Bau des früheren Jesuitenkollegs gleich hinter dem Münster (heute: Lycée Fustel de Coulanges), spielte aber auch eine große Rolle bei der Bebauung des Broglieplatzes:


    So gehen Hanauer Hof (auch heute noch teilweise als Rathaus genutzt), Zweibrücker Hof und der heutige Sitz des Präfekten (damals für den königlichen Prätor Klinglin erbaut) zumindest teilweise auf Planungen von Massol zurück.


    Zu seinen bedeutendsten Bauten außerhalb Straßburgs zählen das Rathaus von Weißenburg/Wissembourg und das Schloss der Familie de Dietrich in Reichshofen.

  • Als erstes Gebäude soll nun kurz der Rohan-Palast gleich am Münster vorgestellt werden, eines der bekanntesten Straßburger Gebäude.


    Es wurde nach Plänen von Robert de Cotte durch Massol bis 1742 für den namensgebenden Armand de Rohan errichtet, einen Adligen aus der Bretagne, der bereits seit 1704 Bischof von Straßburg war und die Rekatholisierung der Stadt nach dem Anschluß an Frankreich fördern sollte. Dieselbe Adelsfamilie stellte 4 Fürstbischöfe von Straßburg und errichtete auch das Rohan-Schloss in Zabern im Elsass, das vor der Französischen Revolution aber nur außen fertiggestellt wurde (auf älteren deutschen Stadtplänen wird der Rohan-Palas fälschlicherweise auch als "Schloß" bezeichnet).


    Der Palast liegt zwischen Ill und Schloßplatz und befindet sich gleich neben dem bereits oben erwähnten Jesuitenkolleg (die Jesuiten sollten ja eine zentrale Rolle bei der Rekatholisierung spielen).


    Hier die Ansicht von der Ill aus:


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    Und hier vom Schloßplatz:


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    Es gibt einen großen Innenhof, das Gebäude ist heute Sitz verschiedener Museen:


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  • Tolles Gebäude. Sehr französisch. Die Kamine finde ich nicht so gelungen, aber die unauffällig unterzubringen, bleibt der Jetztzeit vorbehalten... sehr bemerkenswert finde ich die tief heruntergezogenen Riesenfenster. Täusche ich mich, oder sind die fast so wie die heutigen Standard-"Glastüren"?