Johann-Karl Ott (1846-1917)

  • Zu Johann-Karl Ott sind leider kaum Informationen zu finden - er wurde in Hanau geboren, verbrachte nach dem Studium offensichtlich einige Zeit in den USA und war wohl in Kassel und Elberfeld beschäftigt, bevor er 1886 als Nachfolger von Conrath zum Stadtbaumeister und ab 1895 auch zum Kaiserlichen Baurat ernannt wurde.


    Im Jahr 1908 wurde er wiederum durch Fritz Beblo abgelöst, der bereits 1903 in Straßburg tätig war. Laut zeitgenössischer Quellen galt er als "autoritär, aber kompetent" - und vor allem als effizient.


    Er leitete nicht nur den Ausbau des Orangerieparks und den Bau einiger Innenstadtbrücken, sondern entwarf auch eine Vielzahl von Schulen und höheren Bildungseinrichtungen, die allesamt erhalten sind. Hervorzuheben sind insbesondere die Städtische Kunstgewerbeschule sowie die Höhere Töchterschule, das heutige Lycée International des Pontonniers gleich gegenüber der Stephanskirche, und die Drachenschule.


    Die meisten Bauten wirken etwas streng - die Höhere Töchterschule präsentiert sich indes als Jugendstilbau und die Kunstgewerbeschule erhält dank der bunten Keramikmotive auf der Fassade auch einen eher verspielten Eindruck.


    Im Folgenden sollen nun einige der Schulen kurz vorgestellt werden.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

    Einmal editiert, zuletzt von silesien ()

  • Beginnen möchte ich mit der Kunstgewerbeschule, die heute folgenden Namen trägt:


    IMG_0026_DxO.jpg


    Zur groben Orientierung:


    Die Schule befindet sich auf dem Gelände des früheren botanischen Gartens, etwas südlich der Ill, am besten überquert man die Ill am südöstlichen Ende der Altstadtinsel Richtung Süden, wo schon die weiße Wilhelmskirche zu sehen ist:


    IMG_0036_DxO.jpg


    Dort dann einfach die gleichnamige Gasse nach Süden (auf Französisch: Saint-Guillaume), die Schule befindet sich auf der linken Seite, ist aber aufgrund des Zauns nur eingeschränkt einzusehen.


    IMG_0025_DxO.jpg


    IMG_0028_DxO.jpg


    IMG_0029_DxO.jpg


    Ansicht von der Seite:


    IMG_0030_DxO.jpg


    Die bunten Keramikmalereien stehen in interessantem Kontrast zum eher nüchternen Gebäude. Entworfen wurden sie durch den Direktor der Schule, Anton Seder, der aus München stammten und vor allem den Jugenstil förderte - er wollte die Schule auch ausdrücklich als Gegenpol zur "preußischen" Universität positionieren.


    Südlich der Schule befand sich das inzwischen abgerissene Proviantamt, das Umfeld ist eher eher reizlos - mit Ausnahme der gleich daneben befindlichen ehemaligen Tabakmanufaktur, die bereits im Rundgang zu Krutenau vorgestellt wurde:


    IMG_0023_DxO.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

    2 Mal editiert, zuletzt von silesien ()

  • Ebenfalls bereits kurz angesprochen und abgebildet wurde die "Drachenschule" von 1893 im Neorenaissance-Stil, diese Schule liegt südlich der Ill schräg der Thomaskirche gegenüber:


    IMG_0207_DxO.jpg


    Hier mit der Thomaskirche im Hintergrund:


    IMG_0208_DxO.jpg


    Der "Drache" ist ganz oben als Plastik im Kampf mit dem Heiligen Georg zu sehen, ebenfalls in die Fassade eingearbeitet (aber auf den Fotos nicht zu sehen) ist ein Relief des Vorgängergebäudes aus dem Jahr 1600, das für diesen Neubau abgerissen wurde. Auch heute dient das Gebäude noch als Schule, der Name kommt wohl von der Familie "Drach".


    Meines Erachtens bildet die Schule mit der Ludwigskirche etwas westlich davon eines der schönsten Ensembles außerhalb der Altstadt.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Das bekannteste Gebäude ist indes wohl die Höhere Töchterschule von 1902, allein schon aufgrund ihrer Innenstadtlage zwischen ESCA-Gebäude und dem heutigen Museum von Toni Ungerer (Lage ziemlich genau gegenüber der Stephanskirche im Südosten der Altstadtinsel).


    IMG_0169_DxO.jpg


    IMG_0170_DxO.jpg


    Heute trägt die Schule die Bezeichnung Lycée International des Pontonniers (=Pioniergymnasium), so benannt nach der Pionierkaserne, die sich zuvor an dieser Stelle befand. Unmittelbar rechts daneben befindet sich übrigens das Haus des damaligen Bildhauers Alfred Marzolff, das von Gustav Oberthür entworfen wurden und entsprechend im anderen Strang zu sehen sein wird.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Als Beispiel für eine Reihe relativ ähnlicher Schulbauten von Ott möchte ich noch kurz die Kaiserliche Technische Hochschule von 1895 vorstellen, gleich hinter der gründerzeitlichen Häuserzeile der Sternwartstraße gelegen (also unmittelbar im Osten des botanischen Gartens der Reichsuniversität).


    Die Hauptfassade:


    IMG_0069_DxO.jpg


    IMG_0071_DxO.jpg


    Die Bebauung Richtung Osten (Kölner Ring) stammt übrigens aus der Zeit nach 1918. Erweitert wurde das weiterhin als Schule genutzte Gebäude mehrmals, zuerst von Fritz Beblo im Neo-Barock um 1906 und schließlich ab 1970 mit einem eher unpassenden Glasbau:


    IMG_0073_DxO.jpg


    IMG_0074_DxO.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Als vorläufigen Abschluß dieser Galerie noch die Ansicht der Universitätsbrücke vor der Paulskirche, die ebenfalls von Ott entworfen wurde:


    IMG_2084_DxO.jpg


    In der Mitte der Brücke werden die beiden Zufahrten in Richtung Kirche abgeleitet, die ganze Konstruktion wiegt laut meinen Quellen um die 400 Tonnen:


    IMG_1922_DxO.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Da ich es jetzt doch noch nach Ruprechtsau geschafft habe, hier Fotos des heutigen Collège Jules Hoffmann, das 1901 errichtet und leider ab 2014 mit einer recht unpassenden Erweiterung verunstaltet wurde, die noch dazu den Blick auf die Fassade stark einschränkt.


    Hier der Blick von der Straße aus:


    IMG_0757_DxO.jpg


    Ansicht von der Seite aus, mit dem Anbau im Vordergrund:


    IMG_0759_DxO.jpg


    IMG_0760_DxO.jpg


    Hier die katholische Kirche von Conrath im Hintergrund:


    IMG_0761_DxO.jpg


    Diese Villa gehört zum Schulgelände und befindet sich wiederum direkt neben der protestantischen Kirche von Conrath:


    IMG_0763_DxO.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Und noch ein allerletzter Nachtrag zu Ott:


    Ebenfalls in Zusammenarbeit mit Stadtbauinspektor Roederer wie bei der Kunstgewerbeschule entstand das Pfarramt der Ludwigskirche direkt gegenüber des Seminargebäudes von St. Thomas (und quasi gleich neben der ebenfalls schon präsentierten Drachenschule).


    Das Gebäude im Stil der Neorenaissance wurde 1891 vollendet.


    IMG_0662_DxO.jpg


    IMG_0663_DxO.jpg


    Hier der Blick in Richtung der Thomaskirche:


    IMG_0665_DxO.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Und noch eine weitere Schule - die 1890 fertiggestellte Realschule gleich neben dem Erweiterungsbau des Kaiserpalasts, also in sehr exklusiver Lage:



    Im Jahr 1893 wurde die Bezeichnung zu Oberrealschule geändert (es handelte sich also ein Gymnasium ohne Lateinunterricht nach preußischem Vorbild), daher auch die Beschriftung der Postkarte.


    Heutige Ansicht, im Vordergrund der erwähnte Erweiterungsbau des Kaiserpalasts in der früheren Manteuffel Str.:



    Unmittelbar gegenüber liegen zwei Jugendstilgebäude von Franz Lütke, die im dortigen Strang gezeigt werden.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes