Einführung in das Stadtviertel Fünfzehnerwörth/Conseil des XV

  • Beim Fünfzehnerwörth oder "Conseil des XV" auf Französisch ("Wörth" wurde weggelassen bzw. offensichtlich falsch verstanden), benannt nach den Ländereien des Rats der 15 in dieser Gegend, handelt es sich um einen Stadtteil im Nordosten Straßburgs zwischen Universität und Park der Orangerie.


    Laut Verfassung der freien Reichsstadt, die im Jahr 1420 auch einen Übernahmeversuch des Landadels abwehren konnte, wurde die jährlich gewählte Stadtregierung durch verschiedene Räte unterstützt, nämlich den Rat der 13 (Außenpolitik und Krieg), den Rat der 15 (Justiz und Finanzen) und den Rat der 21 (Großer Rat), in denen unter anderem auch Gilden und Zünfte vertreten waren. Erst schrittweise wurden diese Räte nach der Besetzung Straßburgs durch Frankreich entmachtet, bevor mit der Französischen Revolution auch Elsass und Straßburg dem restlichen Frankreich angeglichen wurden.


    Geographisch liegt dieser Stadtteil im Nordosten bereits jenseits der Ill und wird durch die Universität im Süden und den bereits vorgestellten Park der Orangerie im Norden begrenzt. Wir finden hier eine gründerzeitliche Prachtstraße mit der Schwarzwaldstraße als direkter Verlängerung der Neustädter Vogesenstraße, bevor sie am Arnoldplatz nach Süden abknickt, aufgelockerte Villenbebauung überwiegend aus der Zeit nach 1918 im Norden und Militäreinrichtungen und sozialen Wohnungsbau im Osten:


    als Cité Spach in Form einer gründerzeitlichen Stadterweiterung oder als Cité Rotterdam als erstes Beispiel der industrialisierten Wohnbebauung aus den 50er Jahren.


    Hier ein guter Überblick direkt von der Stadt Straßburg.


    Prinzipiell handelt es sich beim westlichen Teil des Fünfzehnerwörths um eine Erweiterung der Neustadt, die durch die Schwarzwaldstraße nahtlos an den Rest der Neustadt angebunden ist.


    Bereits zu Zeiten des Kaiserreichs geplant, aber erst gegen 1930 umgesetzt (da es erst dann gelang, drei Häuser aufzukaufen, die in der Mitte der Tauler Str. den Weiterbau verhinderten), ist zudem eine Anbindung an den Norden der Neustadt, wo sich am Schiltigheimer Platz ja die Straßenführung in die Hauptsichtachse der Neustadt, die Kaiser Friedrich Straße, und die damals wie heute dem Bildhauer Landolin Ohnmacht gewidmete gleichnamige Straße teilt.


    Verbunden werden beide Straßen durch die großzügige Rupprechtsauer Allee oder Allée de la Robertsau, die beide Straßen im 90-Grad-Winkel kreuzt und entlang der Ill nach Norden zum Park der Orangerie (und den heutigen Institutionen der EU bzw. des Europarats) führt.


    Randbemerkung: Die zweite monumentale Nord-Süd-Achse ganz im Osten des Fünfzehnerwörths, der Kölner Ring oder Boulevard de la Marne, der den Park der Orangerie im Osten trifft, wurde zwar schon zu Zeiten des Kaiserreichs geplant, indes erst durch die Franzosen realisiert und bebaut.


    Trotz dieser Anbindung an die Neustadt soll der Fünfzehnerwörth getrennt behandelt werden. Nicht nur, weil diese beiden Viertel durch die Heleneninsel* (nördlich der Paulskirche) und somit durch Ill und Aar getrennt werden, sondern auch, weil nur ein Teil der ursprünglich geplanten Bebauung bis 1918 tatsächlich umgesetzt werden konnte.


    Daraus ergibt sich der interessante Aspekt, daß Norden und Osten des Viertels zwar nach deutschen Plänen gebaut wurden - aber eben durch Frankreich ab 1919 (wenngleich praktisch nur Architekten aus dem Elsaß die Planungen ausführten). Es gibt sogar Beispiele für Blockrandbebauung, bei der aus der deutschen Zeit nur einige Eckgebäude standen, während der eigentliche Block dann durch die Franzosen fertiggebaut wurde.


    *die ja abgesehen von der Paulskirche im Süden und der Illthor-Kaserne im Norden abgesehen von wenigen Bauten am Ufer völlig unbebaut blieb - ursprüngliche Pläne des Stadtarchitekten Conrath zu einer dichten Bebauung im Stil der angrenzenden Neustadt mit einer monumentalen Nord-Süd-Achse-wurden nicht umgesetzt

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes