Einführung in die Stadt Straßburg und deren Galerien

  • Im Folgenden möchte ich einige Galerien zu Straßburg bereitstellen. Da ich doch recht viele Fotos habe, möchte ich mehrere Galerien anlegen, die jeweils einem bestimmten Thema folgen, zu Beginn ist dies der Straßburger Süden von Kehl (D) über Neuhof bis nach Krutenau.


    Ganz zu Anfang jedoch erst einmal einige allgemeine Informationen in aller gebotenen Kürze:


    Bekanntermaßen war ja Straßburg ursprünglich eine deutsch besiedelte Freie Reichsstadt, die daher auch weiterhin zum Hl. Römischen Reich Deutscher Nation gehörte, nachdem das Elsass ab 1633 schrittweise unter französische Oberherrschaft geraten war.


    Die eigentliche Besetzung Straßburgs durch französische Truppen erfolgte erst im September 1681 - einfach so, ohne Kriegserklärung oder sonstige lokale Konflikte. Besiegelt wurde die Zugehörigkeit zu Frankreich dann 1697 im Frieden von Rijswijk, mit dem zugleich der Pfälzische Erbfolgekrieg beendet wurde. Da jedoch bis 1789 die Zollgrenze auf dem Vogesenhauptkamm verlief, während es keine Zollgrenze zum restlichen Deutschland gab, änderte sich abgesehen von einer Bekämpfung der Protestanten durch Frankreich kaum etwas an der deutschen Prägung von Straßburg und Elsass.


    Nach dem Sieg im Krieg gegen Frankreich 1871 wurde Straßburg (mitsamt Elsaß) dem deutschen Reich angeschlossen, und zwar als "Reichsland Elsaß-Lothringen". "Reichsland" bedeutete, daß das Land direkt dem Deutschen Kaiser über einen Statthalter unterstellt war und nicht die Autonomie und Selbstverwaltung wie viele andere deutsche Länder erhielt. Erst schrittweise wurde dieser Status geändert, der "Landesausschuß" erhielt mehr Rechte, 1911 erhielt das Reichsland eine eigenen Verfassung und die ersten (und aufgrund des Ersten Weltkriegs einzigen) Parlamentswahlen wurden abgehalten.


    Übrigens ist die Bezeichnung "Elsaß-Lothringen" irreführend, da das Reichsland nur etwa ein Viertel von Lothringen umfaßte und in diesem Zusammenhang "Lothringen" im wesentlichen aus dem Département Mosel mit Metz als Hauptstadt bestand.


    Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Elsass wiederum zu Frankreich, ab 1940 wurde es nach dem Frankreich-Feldzug der provisorischen deutschen Verwaltung als "CdZ-Gebiet" unterstellt, wobei die Abkürzung für Chef der Zivilverwaltung steht (Erklärung: siehe Link). Entgegen einer landläufigen Meinung wurden Elsass und Lothringen (bzw. Mosel, siehe oben) jedoch nicht formal dem Deutschen Reich angeschlossen.


    Bekanntermaßen gehört Straßburg mitsamt dem restlichen Elsaß seit 1945 bis zum heutigen Tage wieder zu Frankreich. Deutsch spricht in Straßburg übrigens fast niemand mehr, erst recht nicht die junge Generation.


    Relevant für den Städtebau ist einerseits die historische Prägung als deutsche freie Reichsstadt, die dazu führt, daß die malerisch auf einer Insel gelegene Altstadt vielerorts an historische deutsche Städte erinnert.


    Andererseits ist aber auch die relativ kurze Zugehörigkeit zum deutschen Kaiserreich städtebaulich sehr bedeutend, da man dort mit der Neustadt und einer ganzen Reihe von Prachtbauten die eigene Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und Straßburg auch wieder ein eindeutig deutsches (oder eher: preußisches) Aussehen verleihen wollte.


    Städtebaulich noch heute prägend ist übrigens auch der zur deutschen Zeit eingeleitete 1910 "große Durchbruch", der bis 1960 von Frankreich abgeschlossen wurde und aus der Errichtung einer großen Verkehrsachse vom Süden über den Place Kléber bis zum neuen Bahnhof bestand.


    Somit gliedert sich das heutige Straßburg städtebaulich meines Erachtens in vier Teile (Vororte wie Neudorf lasse ich außer acht):


    1. die eigentliche Altstadt mit ihrer überwiegend alemannisch-deutschen Prägung, ergänzt durch einige spezifisch französische Adelspaläste am Broglieplatz und im Osten des Münsters, überwiegend auf der Altstadtinsel gelegen und in geringerem Teil südlich davon (Finkwiller, Krutenau - die "Altstadt")


    2. der Stadterweiterung aus der Gründerzeit, die wie ein großes C um die Altstadt herum angeordnet ist und im Westen, Norden und Nordwesten sowie in einem relativ kleinen Streifen auch östlich der Ill inkl. Universitätsviertel schon vor 1918 weitgehend fertiggstellt wurde und überwiegend typisch gründerzeitlich-preußisch wirkt (die "Neustadt")


    3. der Weiterführung dieser Stadterweiterung ab 1918, schwerpunktmäßig in den Zwischenkriegsjahren und in geringerem Umfang noch in den 50er Jahren, in Form eines gut angepaßten regionalen Heimatschutzstils, bei dem interessanterweise die Planung der deutschen Kaiserzeit für die östliche Neustadt weitgehend weitergeführt wurde - dies betrifft die Blockrandbebauung im Fünfzehnerwörth und die Villenbebauung an der Orangerie


    4. die diversen Stadterweiterungen aus der Nachkriegszeit, namentlich der zuvor unbebaute Südwesten der Innenstadt mit dem Neubau der Universität und dem Hochhausviertel Esplanade, aber auch das groß angelegte Stadterweiterungsprojekt Deux Rives im Süden von Straßburg, das größte seit der Realisierung der Neustadt, das nicht zuletzt durch die neu errichtete Straßenbahnlinie verkehrstechnisch erschlossen wurden und in etwa von der Höhe des Bürgerspitals über die Rheininseln bis nach Kehl reicht (!).


    Im Gegensatz zu einer verbreiteten Meinung wurde Straßburg übrigens in seiner Geschichte mehrfach stark beschädigt, so 1870 beim einmonatigen Beschuß durch deutsche Artillerie, aber auch 1943/44 durch diverse alliierte Bombenangriffe mit rund 1500 beschädigten Gebäuden (Fotos siehe hier).


    Generell wurden die Schäden jedoch auf weitgehend verträgliche Weise beseitigt, so daß sich die heutige Stadt sehr harmonisch präsentiert.


    Noch ein paar Tips:


    Informationsquellen im Internet finden sich viele, in deutscher Sprache zu nennen wären:


    Otstrasbourg (rund um das heutige Straßburg, teilweise etwas eigenwilliges Deutsch)
    Straßburg entdecken
    Archinform Architekturführer
    Archi-Wiki
    Die deutsche Wikipedia zu historischen Bauten und - um einiges ausführlicher und mit jeder Menge Monographien zu einzelnen Gebäuden, aber auf französisch: Die französische Wikipedia zu Straßburger Bauten


    Teilweise etwas sehr rot-grün pädagogisch gestaltet, aber doch sehr informativ: Lehrmaterialien für den bilingualen Unterricht


    Für absolute Einsteiger:


    "Straßburg direkt" von Gabriele Kalmbach (Dumont Reiseführer) ist charmant geschrieben, gut gemacht, bietet viele Detailkarten und Infos sowie kurze Abstecher nach Krutenau, zur Universität und sogar zum Rivetoile-Projekt.


    Außerdem gibt es ein komplettes 3D-Modell in Google Earch und vollständige Schrägbildaufnahmen auf Bing.


    Praktischer Tip:


    Wer aus Deutschland mit dem Auto anreist, kann einfach in Kehl sehr günstig parken (Tiefgarage ab 50 Cent die Stunde) und dann mit der Straßburger Straßenbahn direkt ab Kehl in etwa 15 Minuten in die Straßburger Altstadt fahren. Die Karten des Tarifverbunds Ortenau gelten auch in Straßburg (falls wieder mal der einzige Fahrkartenautomat ausfallen, die Lesegeräte streiken oder 20 Leute anstehen sollten ).


    Ansonsten halten die Fernbusse relativ zentral (Nähe alte Börse, von dort entweder zu Fuß oder mit der Straßenbahn weiter), und auch der Straßburger Bahnhof liegt direkt an der historischen Bebauung in der Nähe von Petite-France.

  • Noch ein interessantes Buch, und zwar Strassburg und seine Bauten aus dem Jahr 1894 (also fehlen die meisten privaten Bauten der Neustadt noch, bis 1894 scheint man aber auf dem aktuellsten Stand zu sein, siehe hier) - erhältlich als aktueller Nachdruck sowohl als Taschenbuch als auch in einer richtigen Buchausgabe (ab 30 Euro).


    Angenehmerweise nicht in gebrochener Schrift, sondern dank Antiqua halbwegs gut lesbar, offensichtlich wurden die Originalseiten abgescannt. Der Informationsgehalt ist überwältigend, rund 700 Seiten, Informationen zur Geschichte, zur Entwicklung der Neustadt, den Kirchen, Verwaltungsgebäuden usw. Kaum zu glauben, welcher Informationsumfang hier bereitgestellt wird.

  • Und nochmals einige Lesetips:


    Nicht speziell zu Straßburg, aber für das Verständnis der Umplanung der östlichen Neustadt wichtig:


    Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen von Camillo Sitte


    Ein Zufallstreffer aus dem Internet - eine Vorlesung zu Straßburg von der TU Dresden: Vorlesung Straßburg (im Detail nicht ganz korrekt, z. B. wurden die Bauten von Dopff am Großen Durchbruch auf 1960 geschätzt, entstanden sind sie aber 1934)


    Und ebenfalls eher zufällig gefunden: eine Einführung in Krutenau (dreisprachig) mit interessanten alten Ansichten (inkl. Rheingiessen (Kanal - heute: Züricher Straße) und alter Klosterkirche der Magdalenerinnen (heute: Magdalenenkirche)