Gotische Sakralbauten

  • Österreich kann als Land der Gotik angesehen werden. Das mag für viele überraschend klingen, scheinen doch unsere Städte in erster Linie vom Barock geprägt. Darüber wird auf unser gotisches Erbe anscheinend ziemlich vergessen, ein Erbe, das sowohl in quantitativer als auch (vor allem!) qualitativer Hinsicht unser Land beträchtlich prägt. Vor allem in der Spätphase hat sich die Gotik bei uns zu ungeahnten Leistungen emporgeschwungen.


    Eingangs als kleine Wiederaufnahme ein bereits anderswo vorgestelltes literarisches Zitat:

    Zitat

    An diesem Vormittag waren Professor Pfeiffer und ich zum Rundgang eingeteilt. Mit Rucksäcken versehen, schlenderten wir gemütlich durch die goldene herbstliche Landschaft und versanken....in ein angeregtes Gespräch über die unter anderem gehäuft im Raum Amstetten beheimatete sogenannte Österreichische Sondergotik, die Pfeiffer seinem Naturell gemäß überaus zusagte, und die er als einen der Höhepunkte abendländischer Baukunst in höchsten Tönen pries. Ich stimmte ihm zu, was den komplexen Formenreichtum der einzigartigen Schlingrippengewölbekonstruktionenen von, nur um einige prominente Beispiele zu nennen, St. Valentin, Gaming oder Scheibbs anbelangt, dem in seiner Art tatsächlich nichts Adäquates an seine Seite zu stellen ist, vermeinte jedoch, dass jener durchaus liebenswert-schrullige, jedoch zugegebenermaßen etwas entartete Wildwuchs bei all seiner unbestreitbaren Originalität nicht zu einer Überschätzung dieses in seiner letztendlichen Ausformung doch eher provinziell gebliebenen Sonderstils führen dürfe. Komplexität, überhaupt in dieser wirren, überquellenden Erscheinungsform, sei eben doch nicht das einzige Kriterium künstlerisch-ästhetischer Betrachtungsweise, weshalb etwa dem rationalen, regelmäßig-geometrischen Aufbau der obersächsischen Gewölbestrukturen jedenfalls der Vorzug zu geben sei. Pfeiffer protestierte aufs Schärfste gegen diesen, wie er sich ausdrückte, einem reaktionären, abgeschmackten Klassizismus und damit verbunden einer unerträglich nivellierenden Primitivität das Wort redenden Ansatz. Um mich zu provozieren, verstieg er sich sogar zu der Albernheit, die Pfarrkirche zu Scheibbs als architektonisches Ganzes über die gewaltige Marienkirche zu Pirna zu stellen.


    Als ich, jeglichen Streit vermeiden wollend, schüchtern vorgebrachte, dass das Werk des Peter Ulrich von Pirna summa summarum dennoch gar nicht so übel und daneben im internationalen Rahmen merkwürdigerweise sogar einigermaßen berühmt sei, verstieg sich Pfeiffer immer mehr zu wüsten Ausfällen gegen alles Sächsische, was schlussendlich in hässlichen Beschimpfungen Robert Schumanns und vor allem Richard Wagners gipfelte...
    (Heimito von Doderer, Repetitorium IV)


    Wir werden uns im Folgenden nicht nur mit der Amsteettner Region auseinandersetzen, sondern mit der gesamtösterreichsichen Situation. Als Einstieg war dieser Verweis dennoch gut geeignet, da sich hier das Wesen der österr. Spätgotik so markant wie nirgendwo sonst präsentiert.

  • Aufgrund des unübersichtlichen Bestandes kann diese Darstellung leider in keiner Weise irgendwie systematisch erfolgen.
    Wir beginnen mit einem bereits vorgestellten Bau:
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    Es handelt sich hier um die Pfarrkirche Krenstetten , einen typischen spätgotsichen Hallenbau mit einem originellen, kassettierten Rippensystem. In der Region sind derartige Rippengewölbe sehr verbreitet, dieses hier ist von geradezu klassistischer Klarheit.


    Auch das die Querachse betonende Kassetten-System von St. Valentin ist noch relativ gut lesbar:
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    östlichstes Joch:
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    3. Joch v. O:
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    wie man sieht, werden hier (wie in Krenstetten) die Jochgrenzen noch gewahrt, was zB in Scheibbs nicht der Fall ist.

  • Eine Valentiner Besonderheit sind die Pfeiler (oder eigentlich Säulen), welche die sog. 'autonomie des Gewölbes' demonstrieren. Der (in Krenstetten noch gerade erkennbare, aber nicht konsequent durchgeführte) Versuch, sie in das Rippensystem zu integrieren, wird nicht einmal mehr unternommen, die Kapitelle werden regelrecht abgeschnitten.

    Man beachte die in ihrer Rigorosität analoge Vorgehensweise an der Wand - so etwas wie Wandpfeiler sind gerade mal in Rudimenten erkennbar.


    Dafür spielt es sich innerhab der Kapitelle umso wilder ab:



    Mit den Rippen wird jongliert, als wären sie aus Holz. Teilweise verlaufen sie 'unterirdisch'.


    Noch ein Blick in den Chor, dessen Rippengewölbe sich scheinbar tradioneller geriert:



    Der Schein trügt bei näherem Hinsehen. Hier ist jede Ordnung dahin.



    Erkennbar ist ein Wirbelstern über dem 5/8 Chor, und davor vier Kreuzrippenpaare (besser lesbar: zwei diagonal gestellte Quadrate, die mit angedeutenden, jeweils in die andere Richtung verlaufenden Wirbelsternen gefüllt sind).

  • Die Hallenkirchen der Amstettner Region zeichen sich in aller Regel nicht durch ein besonders ansprechendes Äußeres aus.
    Die sehr historistisch überformte Pfarrkirche von St. Valentin erscheint aufgrund des Steinmaterials interessant:

    Dieses ist nämlich heterogen, neben dem bestimmenden, ohnehin diffusen Gemergel (oder wie man das nennen will, kommt auch Granit vor (links oben):

    und nicht nur das:


    auch röm. Grabsteine wurden eingesetzt!


  • Die Amstettner Region wurde geprägt von der Steyrer Bauhütte, die vom Wiener Dombaumeister Hanns Puchsbaum gegründet wurde. Der von ihr geprägte Stil wurde als österreichische Barockgotik bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem gotisierenden, barocken Tendenzen).
    Ausgangspunkt wurde Puchsbaums Gewölbe der Seitenchöre der Steyrer Pfarrkirche, von denen hier leider kein Bild vorliegt.
    Hier nochmals Außenansichten dieses bedeutenden Werks Puchsbaums:





    Die Steyrer Bauhütte hatte auch wesentlichen Einfluss auf benachbarte Regionen, so zB auf das nördlich gelegene Mühlviertel. dieses aufgrund der Salz- und Eisenstraße nach Böhmen wichtige und zu einem gewissen Reichtum gekommene Gebiet ist Schauplatz eigenständiger baulicher Entwicklungen geworden, die neben Steyr auch von der Passauer und Rosenberger (Krumauer) Bauhütte beeinflusst wurden.
    Das von Steyr abgeleitete Kassettierungsmuster ist hier ebenfalls nachweisbar, wenn auch eher selten bzw nur am Rande (zB Saxen).
    Wesentlich bestimmender für das Mühlviertel wurde das Schlingrippengewölbe, das zu bizarren Auswüchsen führte. Vom diesbezüglichen 'Starobjekt', der Königswiesner Pfarrkirche hab ich leider keine Bilder vorliegen, was sicherlich irgendwann einmal nachgeholt wird.
    Hier ein anderes prominentes Beispiel, der Chor der Freistädter Pfarrkirche:


  • Dieser Gewölbetypus leitet sich wohl in Ansätzen vom Langhaus des Stephansdomes her, das bereits bekrümmte Rippen aufweist. Das erste bedeutende Beispiel ist die Einfahrtshalle des nö Landhauses in Wien.
    Auch in Steyr selbst gibt es Beispiele:


    Bleiben wir indes in Freistadt.
    Die Stadtpfarrkirche gilt als Werk Mathes Klayndls, nur eine in der Minderheit gebliebene Meinung rechnet das Chorgewölbe Meister Pilgram zu. Den engen Bezug zu Böhmen zeigt der Umstand, dass sich in der Spulír-Kapelle zu Neuhaus eine Miniaturausgabe dieses schönen Gewölbes befindet.


    So präsentiert sich heute das Hauptschiff, das nach den beklagenswerten Umbauten der späten 60er Jahre dvJh, die wohl im Zusammenhang mit dem II. vat. Konzil erfolgten und in der gesamten Diözese Linz, die sich traditionell vermeintlich 'fortschrittlich' gerierte, zu einer wahren Bilderstürmerei ausartete, die in ihrer Barbarei (wie hier in Freistadt) selbst vor dem Barock nicht halt machte. In vielen Kirchen wurde durch willkürliche Mauerdurchbrüche und beziehungslosen Zubauten sogar das traditionelle Raumgefüge zerstört, etwa aus einem got. Langhaus ein Zentralraum geschaffen.


    Hier in Freistadt ging man zwar nicht soweit, das Ergebnis bleibt jedoch eine Mischung aus Putzfrauenästhetik und Pseudomittelalterlichkeit.






    Die Pfarrkirche St. Katharina stellt in ihrer Fünfschiffigkeit eine Besonderheit innerhalb Österreichs dar:



  • Wir bleiben in bzw bei Freistadt:



    genau genommen im eingemeindeten St. Peter, auf einer Anhöhe über der Stadt gelegen. Zu sehen war die Kalvarienbergkapelle zum Hl Kreuz, deren Zweischiffigkeit in Ö oft anzutreffen ist.


    Hier eine Außenansicht des in seiner Schlichtheit beeindruckenden Baus:



    Unmittelbar daneben befidnet sich die dreischiffige Kirche St. Peter:





    Das Ensemble beider Kirchen:



    Die kleine Pfarrkirche des unweiten Waldburg besticht eher durch ihre Innenausstattung als durch ihre Architektur:


  • Gleiches lässt sich so von Kefermarkt nicht behaupten, obwohl die Architektur bei den allermeisten Besuchern nicht die verdiente Beachtung finden dürfte:



    Bei der Staffelbasilika St. Wolfgang handelt es sich um eines der größten Gotteshäuser des Mühlviertels. Es blieb sogar von der hierorts besonders stark wütenden Verschandelungsmanie im Zuge des II vat. Konzils verschont.



    Das Rippenschema des Mittelschiffes ist als phasenverschobenes zangenartig verschränktes Rautenmuster zu deuten.







    Das Rippengewölbe des Chores leitet sich eindeutig vom Langhaus vin St. Stephan zu Braunau her.



  • Ach ja, eine wertvolle Innenausstattung gibts auch noch. Zum Strangthema passt allerdings nur der Hochaltar.


    Das war s fürs erste.


    Kleist
    Beiträge sind herzlich willkommen. Eine Systematik ist ohnehin nicht einzuhalten. Die Stadtpfarrkirche zu Villach kenn und schätz ich, Bilder davon wären eine absolute Bereicherung dieses Stranges.

  • Zitat von "Georg Friedrich"

    Es fällt mir schwer, in der Österreichischen Sondergotik irgendetwas völlig Einmaliges und nicht nur eine lokale Eigenart der Spätgotik in Mitteleuropa zu erkennen, wenn man sich den Formenreichtum zwischen Ostsee und Alpen vor Augen hält. Die allgemeine Reduktion des Baukörpers und die Bereicherung der Gewölbe, Dienste und Rippen sind ja allgemeine Merkmale dessen, was man bis vor kurzem noch ohne Bedenken Deutsche Sondergotik nennen durfte.


    Danke für das Bild aus Königswiesen, das an dieser Stelle wie gerufen kommt.
    Auf den Begriff der 'österr. Sondergotik bin ich außerhalb des vorangestellten literarischen Zitats* (das auch den Begriff 'Schlingrippengewölbe' falsch verwendet) eigentlich nie gestoßen. Er wäre natürlich grundsätzlich entbehrlich, denn wie richtig dargestellt, findet er innerhalb der Definition des Begriffes 'Dt SG' wunderbar Platz. Auch sind die einzelnen lokalen Formen innerhalb Ö.s zu heterogen, um diesen Begriff als einheitliche Subform innerhalb der dt. SG aufrecht zuerhalten. Kötschach-Mauten ist etwa Scheibbs so fern wie zB Annaberg.
    Königswiesen würde ich schon als auf seine Art 'einzigartig' bezeichnen, womit nichts über den Wert an sich oder gar Maßstäblichkeit irgendwelcher Vergleiche gesagt ist. Schließlich handelt es sich auch nur um eine mittelgroße Dorfkirche.
    Ähnliches lässt sich auch über die zweifellos homogene Gruppe des Amstettner Umlandes sagen, wobei ich diese Kirchenräume persönlich sehr schätze. Die Besonderheit liegt in der bis zur Verworrenheit ausufernden Kompexität, die im Fall Scheibbs tatsächlich ihren Höhepunkt erreicht, und für die ich in der Tat kein ausländisches Pendant sehe. Was auch übrigens ziemlich egal ist - das wirklich Interessante an diesen Kirchen, so meine ich, liegt in dem Umstand, dass sie nur wenige kennen dürften.


    *Diese Stelle ist übrigens kaum ernst zu nehmen, was aus dem Zusammenhang gerissen vielleicht nicht ganz ersichtlich ist. Pfeiffer ist lokalpatriotischer Berliner, der keine Gelegenheit auslässt, über Sachsen und alles Sächsische herzuziehen, was zweifellos eine humoristische Note haben soll. Keinesfalls handelt es sich hier um eine gelehrige kunstgeschichtliche Abhandlung.

  • Zitat von "Georg Friedrich"

    Als die beiden Hauptländer der Gotik werden in der Welt immer England und Frankreich betrachtet bleiben - nicht zuletzt deswegen, weil die nicht nur politisch-militärische, sondern auch sprachlich-kulturelle Vormacht des Westens sich mit der Kulturgeschichte des britischen Mutterlandes bewusst oder unbewusst identifiziert und dessen Prämissen, Annahmen und Methodik abertausendfach reproduziert und in alle Welt verbreitet.


    vgl mal: Wilckens/Naredie-Rainer: Grundriss der abendländischen Kunstgeschichte.
    Das dürfte natürlích richtig sein, wenngleich unser Bewusstsein nicht ganz so ausgeprägt erscheint - schließlich liegen wie östlicher, womit sich der Fokus etwas verschoben hat. England ist für uns ganz abseitig, ja exotisch. Dass es dort gotische Kathedralen gibt, wissen die Gebildeten schon, aber das hat mit uns nicht sehr viel zu tun. Gemessen an den östlichen Nachbarländern stehen wir mit unseren Domen gar nicht so schlecht dar. 'Die Welt' gibt bei uns nicht soviel, unsere Welt ist eine andere. Für uns ist die Parler-Schule interessant, oder die Passauer Dombauhütte, allenfalls ergeben sich bei Stift Zwettl über Mathias von Arras Entwurf des Veitsdoms Bezüge zu Frankreich, aber das war s dann auch schon.
    Aber ein anderer Aspekt erscheint mir interessanter: es ist ja nicht so , dass gegen die politisch-kulturelle Vormacht des Westens deutscherseits niemals revoltiert worden wäre. Man vergleiche etwa W. Pinders Vorwort zu 'Deutscher Barock' in den Blauen Büchern um 1920, das sich in der Tat so liest. Ua dadurch entstand ein gewisses Bewusstsein für die Einmaligkeit zB von B. Neumann und den fränkisch-böhmischen Barock, ein Zug, auf den die tschechische Forschung natürlich auch schnell aufgesprungen ist.
    Und auch die Schaffung des Begriffs der 'Dt SG' und deren Würdigung gehen in diese Richtung.
    Indes besteht hier der entscheidende Unterschied, auf den es mir hier ankömmt: was den Barock betrifft, so konnte Österreich an der Bewusstseinsschaffung bzw -erweiterung mitpartizipieren, die hiesigen Bauschöpfungen wurden immer als in die Gesamtbetrachtung der deutschen Vielfalt integriert gesehen. Dies nun haben die dt. Gotikforscher bzw -liebhaber nicht getan. Pinder wusste viel über die Barockleistungen der nö. Provinz. Gerstenberg hatte, so glaube ich zumindest, niemals von Scheibbs oder Krenstetten gehört. Ich denke, dass es ihm und anderen tatsächlich entgangen ist, dass bei uns eine zwar meinetwegen etwas schrullige, aber zweifellos interessante Ausformung bzw Weiterentwicklung der dt. Spätgotik stattgefunden hat. Und da bei uns die erwähnte Vormacht des Westens in erster Linie die Vormacht Deutschlands bedeutet, sind zB die Kirchen des Amstettner/Voralpen- Raums einer breiteren Öffentlichkeit bis dato mehr oder weniger unbekannt geblieben.

  • Wir werden uns in Zukunft mit dem westnö. Voralpengebiet und seiner spezifischen Gotik näher auseinandersetzen. Die Anzahl von qualitätsvollen Kirchen ist enorm: Mank, Kilb, St. Leonhard am Forst, Purgstall/Erlauf, Wallmersdorf, St. Peter id Au, Behamberg, Sindelburg, Neustadtl/Donau, Ferschnitz, Wolfsbach, Euratsfeld, Strengberg, Rems, Amstetten, Aschbach Markt, St. Georgen/Ybbsfeld, Weistrach, Krenstetten, Scheibbs, Gaming, St. Valentin, Saxen (Ausläufer nördl. d Donau), Zeillern... die Liste ist schier endlos. In jedem Dorf kann man eine Neuentdeckung machen.


    Hier der Initialbau zu diesen Kirchen: die Steyrer Pfarrrkirche. Prägend wurden die Gewölbe der Seitenschiffen. Aus den auf uns heute eher unscheinbar wirkenden periodischen Viertelkreisrauten leitete sich die Kassettenformen her:


    In Häufung bzw gar Reihung werden sie zum Hauptmotiv dieses regionalen Sonderstiles:


    Hier einige (beliebige) Bildbeispiele von oben erwähnten Orten:


    Weistrach:

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Weistrach_innen.jpg&filetimestamp=20060706215541\r
    de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0706215541
    Quelle: Wikipedia


    Ferschnitz

    Quele Ferschnitz.gv.at


    Das renaissancegeprägte Äußere:

    Quelle Ferschnitz.gv.at

  • Wie kein anderes (mir bekanntes) sächsisches Rippengewölbe wirkt jenes der ehem. Schlosskapelle Dresdens "österreichisch".



    Foto: Christian Eisenbarth, Saarbrücken[/quote]


    Wir sehen hier eine Kombination aus den sich den nö. Kassettengewölben herleitenden Reihungen der Viertelbogenraute wie hier in St. Peter in der Au (Bezirk Amstetten)

    Photo: Pfarre St. Peter in der Au


    und Schlingrippengewölben wie Königswiesen, Leoben-Göss, Weistrach uvm, vgl die von den (Rund)Säulen ( Scheibbs, St.Valentin) ausgehenden 'Tennisschläger', die denen von Königswiesen nachgebildet erscheinen.
    Ein interessanter, ja einzigartiger Hybrid. Den Kassettierungsformen war das runde, geschlungene Element (das sich hier sogar in der Einkreisung jeder zweiten Raute manifestiert) fremd, die Schlingrippenformen wiederum kannten nicht die quasi mechanische Wiederholung relativ simpler und kleinräumiger Motive.
    Eine aus 'österreichischen Elementen' Elementen zusammengesetzte Variante also, die bei uns fehlt.

  • Hier mal eine Aussenansicht der got. Kirche von ??????????-??-???-??????

    Bild: Josef Rolek (wikipedia)


    Wie sooft lässt das bescheidene Äußere keinen Rückschluss auf das bedeutende Innere zu.
    Dies trifft noch viel mehr auf die Pfarrkirche von Scheibbs zu, hier im netten Ensemble mit dem Schloss:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8c/Scheibbs-altstadt.jpg\r
    upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... tstadt.jpg

  • Die Tendenz zur Vereinheitlichung des Raumes zeitigte höchst originelle Lösungen. Hier der Hallenchor der Mödlinger St. Othmarskirche (1454-1523):



    Urheber: user Ernesto on Wikipedia.


    Das ursprüngliche Innere wurde 1529 vernichtet- das danach wiederaufgebaute dann 1683, und mit ihm 80-90% der Mödlinger Bevölkerung (von solchen Quoten konnte der olle Winnie selbst im Falle Pforzheims nur träumen!).
    Mödling diente als Vorbild für die noch komplexere, später umfassend darzustellende Lösung von Scheibbs, in welcher ein abgrenzbarer Chorbereich nicht einmal auszumachen ist.
    Unmittelbares Vorbild war die Pfarrkirche der alten Eisenstadt Waidhofen/Ybbs (um 1440 begonnen):



  • Zur Waidhofner Chorlösung:
    Die Besonderheit besteht in der 3/8 Lösung der Seitenschiffe, die das Querhaus (ein solches ist im GEgensatz zu Mödling zumindest noch angedeutet) mit dem Hauptchor verbinden.
    G. Brucher sieht dies im Zusammenhang mit der Kirche St. Yved in Braine, die zwischen Chor und Langhaus diagonal plazierte Apsiden aufweist. Über Nachfolgebauten wie St. Martin in Ypern und der Liebfrauenkirche zu Trier:

    sowie über die Vermittlung von St. Viktor in Xanten sei diese Bauweise in Mitteleuropa zum ersten Mal beim Dombau zu Kaschau (gehören das Rhein/Moselgebiet nicht so ganz zu Mitteleuropa?) aufgetreten:

    Aus diesen basilikalen Vorbildern für die Waidhofner Hallenchorlösung eine Herleitung zu konstruieren, erscheint mir indes ebenso fragwürdig, wie die Deutung als 'reduzierten Chorumgang'. Viel naheliegender ist es doch, diese Lösung einzig als großen Zwischenschritt in Richtung Einheitsraum zu begreifen, eine Idee, die auch aus jenem Initialbau dieser Region, der Steyrer Pfarrkirche hervorleuchtete (siehe obigen Grundriss).



    Wilckens/Naredie-Rainer: Grundriss der abendländischen Kunstgeschichte.

  • Neustadtl an der Donau, eine typische spätgotische Hallenkirche des sw NÖ - im Folgenden kurz: ASR (= Amstettener-Scheibbser Region).

    Die Raute, dieses zentrale ASR-Motiv ist unübersehbar. Die Rauten-Rahmungen des Mittelschiffes sind quadratisch, was eine wörtliche Bezugnahme auf das Steyrer Vorbild darstellt.


    Typizität kann man diesem Bau nur hinsichtlich der in der ASR unerschöpflichen Originalität nachsagen:

    Steinakirchen am Forst. Das Sterngewölbe ist zwar hübsch, aber doch konventioneller Natur. Dennoch ist das Bestreben nach Einheitlichkeit des Raums hier noch weiter gegangen, als in den meisten anderen ASR-Kirchen: die einzigartige Pfeiler-Emporen-Lösung lässt die Frage, ob es sich überhaupt noch um Drei- oder schon um Einschiffigkeit handelt, offen. So ganz nebenbei wurde hier eine der seltenen Rundum-Emporen geschaffen (vgl Amberg, St. Martin).


  • Die bereits erwähnte Kirche zu ??????????-??-???-?????? stellt in vielerlei Hinsicht die Antithese zu Steinakirchen dar.

    Trotz des Hallenraums herrscht Chaos - dort, wo zwei Schiffe - nämlich das Mittelschiff und das südliche Seitenschiff, hier links - ineinander übergehen allerdings nur scheinbar. Die für die ASR typischen Reihungsmotive - Quadrate und Karos ='Rauten')-


    sind hier lediglich phasenverschoben, wodurch sich niemals so etwas wie eine Einheit stiftende Querachse ergibt:


    Das nördliche Seitenschiff ist überhaupt ganz anders gestaltet - und kann nur ob seiner wilden Komplexität als charakteristisch für die ASR angesehen werden.

    Je genau man hinsieht, desto gewisser wird es: irgendeine Ordnung oder auch nur Axialsymmetrie findet hier nicht statt!

  • Kommen wir noch einmal auf dieses das südl SSch zeigende Bild:

    zurück.
    Hat das noch etwas mit gotischem Stil- oder Formempfinden zu tun?
    Was liegt hier vor?
    Eine regionale Entartung?
    Eine Konkordanz zur ohnehin gleichzeitig stattfindenden ital. Renaissance?
    Dieser Gedanke ist wahrscheinlich abwegig; und die Bruchersche Begriffsschöpfung der österr. Renaissance-Gotik war eindeutig scherzhaft bzw als Antithese zum tatsächlich gebräuchlichen Begriff der österr. Barock-Gotik gemeint. Letzterer Begriff erscheint zwar zur Beschreibung der in Ö. häufig anzutreffenden Schlingrippengewölbe zumindest brauchbar, Kötschach oder Königswiesen haftet ja in der Tat etwas Barockes an, muss aber in der ASR versagen.


    Gleichzeitig ist zu konstatieren, dass innerhalb der beiden so unterschiedlichen Seitenschiffen von ??????????-??-???-?????? die seltsam zu fassende Bandbreite der ASR liegt, also zwischen den Polen: mechanischer Aneinanderreihung einfachster Formen und irrationaler Komplexität. In ?????????? liegt dies alles nur ein paar Meter von einander entfernt nebeinander, in unserer nächsten Destination jedoch, nur ein paar Kilometer flussaufwärts der ??????, ist dies in künstlerisch höchster Form sublimiert.